Barbara Frey, Intendantin der Ruhrtriennale 2021-2023, vor der Turbinenhalle in Bochum.
Intendantin Barbara Frey vor der Turbinenhalle in Bochum. | © Daniel Sadrowski

Die Schweizer Schauspiel- und Musiktheaterregisseurin, geboren 1963 in Basel, studierte an der Universität Zürich Germanistik und Philosophie. Als Schlagzeugerin und Songwriterin wirkte sie in verschiedenen Schweizer Bands, bevor sie 1988 als Musikerin und Regieassistentin an das Theater Basel unter der damaligen Leitung von Frank Baumbauer wechselte. Seit ihrer ersten Inszenierung 1993 mit Texten von Sylvia Plath arbeitet Barbara Frey als freischaffende Regisseurin zunächst in der Schweizer Freien Szene, später an allen großen deutschsprachigen Theaterhäusern. Von 1999 bis 2001 war sie Hausregisseurin an der Schaubühne am Lehniner Platz Berlin, von 2005 bis 2008 in gleicher Funktion am Deutschen Theater Berlin. 2009 debütierte sie als Opernregisseurin an der Münchner Staatsoper mit Janaceks Jenufa. Es folgten Engagements an der Dresdner Semperoper, der Oper Basel und der Staatsoper Stuttgart. 2009 übernahm sie als erste Frau in der Geschichte des Hauses für zehn Jahre die künstlerische Leitung des Schauspielhauses Zürich. Im Mai 2016 erhielt Barbara Frey den Schweizer Theaterpreis für ihre Verdienste um das Theaterschaffen in der Schweiz.  Seit 2006 arbeitet sie außerdem regelmäßig am Burgtheater Wien, zuletzt im Oktober 2020 mit der erfolgreichen Inszenierung Automatenbufett von Anna Gmeyner. Die Produktion zählt zu den zehn zum Berliner Theatertreffen 2021 eingeladenen Stücken.

Ihre im November 2020 angetretene Intendanz der kommenden drei Ausgaben der Ruhrtriennale sieht sich vor besondere Herausforderungen gestellt. Die Vorbereitung fällt in eine Zeit, in der Grenzen geschlossen werden, Kontakte beschränkt, Sperrstunden verhängt und das kulturelle Leben nahezu weltweit zum Erliegen kommt. Was bedeuten diese Veränderungen für die Planung eines internationalen Theaterfestivals? Welche Konsequenzen ergeben sich hieraus für die Kunst, die aus dem Vollen schöpfen will, zugleich aber die Herausforderungen des Klimawandels und den Gedanken der Nachhaltigkeit berücksichtigt? Die Themen, die sich aus dieser grundsätzlichen Selbstbefragung im engen Austausch mit den eingeladenen Kunstschaffenden ergeben, fließen in Struktur und Projekte der bevorstehenden dreijährigen Festivalperiode ein. In erster Konsequenz wird sich das Festival unter der Leitung von Barbara Frey vermehrt auf Eigenproduktionen konzentrieren. Die Produktionen entstehen vor Ort. Kunstschaffende verweilen länger im Ruhrgebiet und präsentieren in verschiedensten Formaten ihre vielfältige Arbeit. »Gerade jetzt, in Zeiten der Pandemie, die uns in verschiedensten Formen bedrängt, besorgt, ängstigt, ist positive Reibung zur Wärmeerzeugung essentiell«, sagt Barbara Frey im Gespräch mit Kulturwest. »Arktische Kälte ist für das schwer bedrohte Weltklima notwendig und dringendst erhaltenswert. In der gemeinsamen künstlerischen Forschung hingegen hat sie nichts zu suchen.« Unter dem Eindruck unserer völlig veränderten Welt richtet ihr Programm den Blick auf gegenwärtige Bruchlinien, auf verunsicherte historische Konstruktionen von Identität, auf kollektive und individuelle Erinnerungsprozesse, das komplizierte Verhältnis des Menschen zur Natur sowie die ruhelosen Geister der Toten.