
Von der Erde bis zum Universum ist es nur ein winziger Schritt
Vorstellungsbesuch von „UNIVERS“ in London
Ab wann können Kleinkinder eigentlich Freude an einem Theaterbesuch haben – und wann ist der passende Moment dafür?
Die Antwort ist so einfach wie ermutigend: Eigentlich jederzeit. Schon die Allerkleinsten sind offen für sinnliche Eindrücke, Klänge, Farben und Bewegungen – beste Voraussetzungen also für erste Theatererlebnisse.
Das zeigt das katalanische Engruna Teatre auf eindrucksvolle Weise: Seit vielen Jahren widmet sich die Kompanie der Entwicklung von Stücken für Kinder im Alter von 0 bis 2 Jahren. Mit der Produktion UNIVERS bringen sie das Thema Weltall auf die Bühne und machen es selbst für die jüngsten Zuschauer:innen sinnlich und altersgerecht erfahrbar.
Reise ins Universum
London, an einem hektischen Einkaufs-Samstag vor Weihnachten. Gespannt warte ich auf den Einlass für die Vorstellung UNIVERS, die ich hier für die Ruhrtriennale 2026 sehen werde.
12 Uhr mittags: Vor der noch geschlossenen Eingangstür im Barbican Centre parken viele Kinderwagen. Es gibt ein Regal für die Straßenschuhe der Erwachsenen, während auf dem Spielteppich schon die ersten Kleinkinder neugierig herumkrabbeln. Was wird mich drinnen erwarten?
Vom Trubel zur Ruhe – von der Erde ins Universum
Drinnen ist die Stimmung ruhig, ein bisschen magisch sogar. Alle Zuschauende versammeln sich im Kreis um die in sanftes Licht getauchte Bühne. Leise Gitarrenklänge begleiten das Ankommen in der Welt von UNIVERS. Einige Kinder liegen entspannt auf dem Schoß ihrer Eltern, andere machen sich krabbelnd auf Entdeckungstour.
Mit dem Fernrohr ins All schauen
Zu entdecken gibt es: Planeten, die bläulich schimmern, große Fernrohre, durch die ins All gesehen werden kann, kleine Goldklumpen, die die Kinder durch aufgehängte Röhren kullern lassen können.
Schnell zeigt sich: Keine Vorstellung von UNIVERS gleicht der anderen. Jede entsteht im Zusammenspiel mit dem Publikum – geprägt von der individuellen Ausstrahlung, Energie und Persönlichkeit der einzelnen Zuschauenden, die aktiv ins Bühnengeschehen einfließen.
Die beiden Tänzerinnen wenden sich immer wieder den Kindern zu, treten mit ihnen in Kontakt und laden sie zum gemeinsamen Spiel ein. Rollen werden zusammen über den Boden bewegt, goldene Elemente gemeinsam in Röhren versteckt und Objekte wie bei einem Mobile in Balance an die Decke gebracht.
Dabei gestalten die Jüngsten das Geschehen entscheidend mit – durch ihre Neugier, ihre Emotionen und ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.
So entwickelt sich ein ganz eigenes, poetisches Universum, in das alle Anwesenden eintauchen können. Am Ende kehren sie ruhig, berührt und bereichert in den lebhaften Alltag zurück.
Über die Autorin
Ulrike Czermak studierte von 1989 bis 1995 Angewandte Theaterwissenschaft an der Universität Gießen. Während des Studiums machte sie neben eigenen Produktionen auch Hospitanzen an Theatern in Bonn, Essen, Dortmund und Edinburgh. Seit 2005 gestaltet sie Theaterprojekte mit Menschen von 9 bis 86 Jahren im Ruhrgebiet. Bei der Jungen Triennale ist sie Dramaturgin für Vermittlung.
