Skip to main content

Anna Kpok am Apparat

23. Aug. 2017

Title image

Mit dem Format „Wir müssen reden“ ruft das Kollektiv Anna Kpok im September das Publikum der Ruhrtriennale im Refektorium an und lädt es zu Telefongesprächen ein. Wir haben das Prinzip umgedreht und bei Kristin Naujokat und Klaas Werner vom Kollektiv Anna Kpok angerufen.

Ruhrtriennale: Wie fängt man ein Telefongespräch zwischen zwei Unbekannten an?

Klaas: Da setzen wir tatsächlich ganz stark auf unsere kollektive Identität, unter der wir regelmäßig in unterschiedlichen Formationen zusammenarbeiten. Also, der erste Satz, den die ZuschauerInnen, die an das Telefon im Refektorium rangehen, hören werden, ist: „Hallo, mein Name ist Anna Kpok.“

Und was kommt dann?

Kristin: Letztendlich geht es in dem Gespräch dann um die große Frage: Wer seid ihr? Mit wem leben wir in dieser Welt zusammen?

Klaas: Das Spannende ist: Die Stimme eines Menschen verrät noch nicht so viel. Würden wir uns jetzt gerade gegenüber sitzen, könnten wir sehen, wie wir aussehen, wie wir angezogen sind, was für eine Frisur wir haben. Wenn wir aber am Telefon miteinander sprechen, geht es uns nicht ums Äußere, sondern wirklich darum, was man sagt.

Kristin: Wir sind sozusagen an beiden Seiten des Apparats ganz offen und kommen in neue Gespräche. In dieser Situation am Telefon, in der man weiß, dass das jetzt nur uns beide etwas angeht, können Fragen gestellt werden, die man vielleicht nur einer fremden Person stellen würde.

Können dann in diesem besonderen Moment am Telefon vielleicht sogar (Götter-)Funken überspringen?

Klaas: Kein Zufall, dass der Begriff Funken auch mit der Telegrafie zusammenhängt. Man kommuniziert über Funk. Was mit Götterfunken zusammenhängt, mit Schiller, Europa, Beethovens Neunter, ist das Thema Kommunikation. Es geht darum, dass man miteinander ins Gespräch kommen muss, sonst kann man sich nicht verstehen. Das ist für uns ein Moment, den wir in „Wir müssen reden“ auch haben.

Aber nicht sehr lange.

Klaas: Richtig, wir kommen für einen ganz kurzen Moment zusammen, aber am Ende sind wir ganz viele. Ich meine, das Ruhrgebiet sind fünf Millionen Menschen, NRW sind 18, Deutschland sind 80 und Europa sind 700. Klar, wir können nicht alle abtelefonieren, obwohl unsere Utopie ist, am liebsten eigentlich alle abzutelefonieren. Fangen wir also mal im Ruhrgebiet an.



Informationen zu Anna Kpok "Wir müssen reden" (ab dem 1.9.) und dem weiteren Programm im Refektorium gibt es hier.

Anna Kpok ist eine kollektive Kunstproduzentin, die seit 2009 Kunstformen in den Bereichen Theater, Performance und Installation entwickelt. Diese entstehen als Bearbeitung und Ergänzung der vorgefundenen Räumlichkeiten. Anna Kpok beschäftigt sich mit dem Gegenwärtigen, dem Material, das uns wie selbstverständlich umgibt. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit Konstruktionen von Gemeinschaft und Subjekt sowie mit dem eigenen Produktionsprozess.

Tickets