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Landschaftspark Duisburg-Nord

Das Stahlwerk im Duisburger Norden wurde 1902 von August Thyssen als ›Aktiengesellschaft für Hüttenbetrieb‹ gegründet und nahm 1903 mit drei Hochöfen die Produktion auf. Bis zum Jahr 1908 wurden fünf Hochöfen in Betrieb genommen. Außer dem Hüttenwerk gab es auf dem 200 ha großen Gelände noch eine Schachtanlage, eine Sinterei, eine Kokerei und eine Gießerei.

Kraftzentrale

Die Kraftzentrale entstand zwischen 1906 und 1911, als das Hüttenwerk von drei auf fünf Öfen erweitert wurde. Mit einer Länge von 170, einer Breite von 35 und einer Höhe von 20 Metern gehört sie zu den Industriehallen des Ruhrgebiets. Zehn gichtgasbetriebene Großgasmaschinen zum Antrieb von Dynamos zur Stromerzeugung und sechs Gasgebläse zur Hochofenwinderzeugung wurden hier betrieben, um das Werk und die benachbarte Werkssiedlung mit Strom zu versorgen. 1965 hat man die Maschinen stillgesetzt und anschließend verschrottet. Danach wurde die Halle bis Mitte der 80er Jahre als Ersatzteillager genutzt. 1997 schließlich konnte die Kraftzentrale nach einem nur siebenmonatigen Umbau als multifunktionaler Veranstaltungsort eröffnet werden.

Interior view of Kraftzentrale. © Thomas Berns

Gebläsehalle

Die Gebläsehalle ist Teil des Dampfgebläsehauses, einem Gebäudekomplex aus der Gründungsphase des Werkes. Sie ist 50 Meter lang und 12,4 Meter breit. Noch heute befinden sich hier vier Elektroturbogebläse, mit denen Hochofenwind erzeugt wurde, der zur Erschmelzung des Roheisens notwendig war. Die neoromanischen Rundbogen-Fenster und die umlaufenden Ornamente unterhalb der Traufe weisen deutlich auf den historischrepräsentativen Baustil dieser Epoche hin. Das benachbarte Pumpenhaus lieferte Kühlwasser für die Hochöfen. In den 50er Jahren wurde der Komplex durch ein Kompressorenhaus ergänzt. Im Jahr 2002 wurde die Halle zu einem multifunktionalen Theater umgebaut.

Innenansicht der gebläsehalle © Hermann und Clärchen Baus

Gießhalle

Die halb offene Gießhalle (84 Meter lang, 21 Meter breit) ist Teil des Gesamtensembles Hochofen 1. Neben dem Ofen mit Ofengerüst und -panzer besteht das Ensemble aus der sich seitlich an die Gießhalle anlagernde Winderhitzergruppe mit Heiß- und Kaltwindschiebergerüst, aus den beiden Staubsäcken sowie den von der Erzbunkeranlage kommenden Schrägaufzügen mit Windenhaus und Feinkoksturm. In der Gießhalle wurde zu Betriebszeiten des Hüttenwerks etwa alle zwei Stunden »abgestochen«. Das flüssige Roheisen floss direkt aus dem Hochofen in ein Bett aus Formsand, um zu Masseln (Eisenbarren) zu erstarren. Diese wurden dann mit Wasser gekühlt, aufgeschlagen und anschließend zur Weiterverarbeitung in die Gießerei oder ins Stahlwerk transportiert. Das Gittermauerwerk der Hallenwände diente der besseren Durchlüftung und Temperierung der Halle.

Seit Mitte der neunziger Jahre wird diese offene Halle für Konzerte, Theater und Open-Air-Kino genutzt. Dazu wurde die Abstichöffnung des Hochofens gesichert, Roheisenkanäle und Abfülltrichter wurden verschlossen, neue Treppen eingefügt und eine massive Stahl- und Betonkonstruktion als Tribüne für 1.000 Besucher errichtet. Zur weiteren Aufwertung der Spielstätte wurde 2003 (von planinghaus architekten und Büro für Industriearchäologie, Darmstadt) eine ausfahrbare, wellenförmige Überdachung installiert, die allen Besuchern auch bei Regen Schutz bietet. Die Dachfläche besteht aus transparenten Pneukissen, die in einer Stahlkonstruktion auf Schienen aufgehängt werden. Die Schienenträger schwingen sich aus der Gießhalle heraus frei über die Rohrleitungen hinweg bis über das »Open-Air-Foyer«.

Aerial photography of casting bay and blast furnaces © Julian Röder
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