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Doch »keine Poesie […] ist echt, wenn sie die Ermüdung ausschließt« (Simone Weil)

Über das Konzert

Igor Strawinsky Ave Maria für Chor a cappella
Lili Boulanger Ils m’ont assez opprimé dès ma jeunesse - Psaume 129
für Chor und Orchester
Igor Strawinsky Pater noster für Chor a cappella
Lili Boulanger Du fond de l’abîme - Psaume 130
für Mezzosopran, Tenor, Chor, Orchester und Orgel
Francis Poulenc Stabat Mater für Sopran, Chor und Orchester
Lili Boulanger Vieille prière bouddhique für Tenor, Chor und Orchester

Schwerkraft und Gnade hat die französische Philosophin Simone Weil als die beiden weltbeherrschenden Kräfte erkannt, denen die Seele unterworfen ist. Dieses Weltwissen macht sie zu Lili Boulangers Schwester im Geiste. Die Psalmvertonungen der außergewöhnlich visionären, jung verstorbenen Komponistin verleihen der kollektiven Krise des Volkes Jahwes Ausdruck. Unerschrocken lässt sie den Klagechor in die brodelnde Tiefe stürzen, um »nach oben zu fallen«, ins Licht. Dazwischen bieten zwei schlichte, innige Motetten Igor Strawinskys einen Ort des Trosts: Erst im Alter hat er sich dem Gebet zugewandt. Während im Ave Maria und im Pater noster die mütterliche und die väterliche Instanz angerufen werden, zeigt Francis Poulenc die Gottesmutter im Moment der größten Schwäche. Doch »keine Poesie […] ist echt, wenn sie die Ermüdung ausschließt« (Simone Weil). In Boulangers Vieille prière bouddhique überwindet die menschliche Stimme den Schrecken der Zivilisation und die Sprache selbst. Die Utopie ist ein Staunen mit geschlossenem Mund.

Eine Chorwerk Ruhr Produktion für die Ruhrtriennale 2022.

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