Turbinenhalle an der Jahrhunderthalle Bochum
Turbinenhalle an der Jahrhunderthalle Bochum | © Jahrhunderthalle Bochum

Queere Transformationsprozesse erfassen Körper wie Raum, machen schwindelig, pellen die Wände, um ihr Mauerwerk nach außen zu tragen.

Über die Produktion

Wie ein amputierter Wurmfortsatz aus einer anderen Zeit verharrt die Turbinenhalle im Bochumer Westpark. Die Produktionsstätte hat ihre ursprüngliche Funktion verloren und wird nun neu besetzt: Sarah Nemtsovs Instrumentalzyklus Haus zieht in den Raum ein, tastet seine Oberflächen und Innereien ab, baut »Zimmer« übereinander und verkriecht sich in einer »Kammer«; schlägt Fenster in die Imagination und findet die »Tür« nicht mehr. Solominiaturen und Ensemblestücke für Harfe, Flöte, Klarinette, Schlagzeug und elektroakustisches Instrumentarium schaffen ein mehrdimensionales Gebilde und verhandeln komplexe Zustände von Gemeinschaft, Vereinzelung und Kontaktlosigkeit. Das Publikum durchmisst die installative Szene mit den eigenen Schritten, kann selbst Blickachsen und Bewegungstempo definieren, während die Raumkomposition die Sinne fortwährend in produktive Desorientierung versetzt.

Die Regie- und Videoarbeit von Heinrich Horwitz und Rosa Wernecke spürt gespeicherten Gewalterfahrungen nach, reißt Altes ab, um Platz für die Keimzelle einer utopischen Neukonstruktion zu machen. Queere Transformationsprozesse erfassen Körper wie Raum, machen schwindelig, pellen die Wände, um ihr Mauerwerk nach außen zu tragen: »Dies ist ein dunkles Haus, sehr groß. / Ich selbst habe es gebaut. / Zelle für Zelle aus einer stillen Ecke, / auf grauem Papier kauend, / Leimtropfen schwitzend, / pfeifend, mit den Ohren wackelnd, / die Gedanken anderswo« (Sylvia Plath).

G. Ricordi & Co. Bühnen- und Musikverlag GmbH

Eine Produktion der Ruhrtriennale.

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