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© Char Marais

Im Liebestod liegt die höchste Erfüllung der Liebe. Der Schritt über die Schwelle zum Tod macht sie erst vollkommen.

Über das Konzert

Olivier Messiaen Harawi – Chant d’amour et de mort (1945)
für Sopran und Klavier

»Harawi« stammt aus der Quechua-Sprache der Andenregion und bezeichnet eine Form von Liebeslied, das mit dem Tod der Liebenden endet. Im Liebestod liegt die höchste Erfüllung der Liebe. Der Schritt über die Schwelle zum Tod macht sie erst vollkommen. Um den Liebestod kreist auch der Mythos von Tristan und Isolde, wie ihn Richard Wagner in seiner gleichnamigen Oper verarbeitet hat. Der französische Avantgardist Olivier Messiaen greift diese transzendente Idee auf und ergründet sie in seiner Tristan-Trilogie aus jeweils unterschiedlichen Perspektiven – zum ersten Mal 1945 in seinem Liederzyklus Harawi, der den Untertitel Chant d’amour et de mort (Gesang von Liebe und Tod) trägt. Die Texte dazu stammen von Messiaen selbst. Es sind surreale, teilweise lautmalerische Gedichte von starker Sinnlichkeit und Symbolkraft, hauptsächlich in französischer Sprache. In Schlüsselmomenten jedoch greift Messiaen zu Quechua-Wörtern, weniger wegen deren Bedeutung als wegen des assoziationsstarken Klangs ihrer Silben. Vom aufgeregten Warngeschrei der Affen (pia pia pia pia pia) bis hin zum hypnotisierenden Klingeln von Piroutchas Fußkettchen beim Tanz (Doundou Tchil) – in oft absurder Wiederholung, Variation oder Spiegelung betritt Messiaen hier eine urtümlich direkte Ausdrucksebene, eine Art metaphysische Musik, die alle Verrücktheit, Verzweiflung, Macht und Ekstase einer alles verzehrenden Liebe beschwört, die ans Äußerste geht – und darüber hinaus.

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