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iStock / XiXinXing

Drei junge Theaterkollektive, drei Projekte, ein Abend!

Nachdem die Ruhrtriennale 2015 Schöpfungsmythen, Unterweltsgeschichten und Höllenfahrten in das Zentrum ihres Programms gestellt hat und 2016 Umbruchsituationen und eine Welt auf der Schwelle im Fokus stand, wird das Festival im Jahr 2017 den Blick nach vorn richten. Es erzählt Geschichten von Zukunft, Veränderung und der Suche nach Visionen und Utopien. Mit welchem Gefühl begegnen wir der Welt von morgen? Wohin führt uns der Fortschritt? Wartet am Ende das Paradies, und was folgt nach der Apokalypse? Diese Visionen und Versionen von „Neuen Welten“ sind auch Thema der Campustriennale Masterclass.

Drei junge Theaterkollektive sind aufgerufen, in ihren eigenen Arbeiten diesen Themen nachzuspüren. Die Campustriennale ermöglicht NachwuchskünstlerInnen, ihre kreativen Visionen während des Festivals zu realisieren. Drei Gruppen entwickeln innerhalb von drei Wochen Uraufführungen im Rahmen einer Masterclass, unterstützt von international renommierten KünstlerInnen und DramaturgInnen, die die Proben konstruktiv begleiten. Die Projekte werden abschließend präsentiert an einem langen Theaterabend. Ein Trip in „Neue Welten“ mit der Theatergeneration von morgen.

Amerika

Die Begegnung von Christoph Kolumbus mit dem amerikanischen Kontinent als Neue Welt markierte zugleich den immer noch gültigen Begriff des Alten Europas. Die Performance „Amerika“ steigt tief hinab in die amerikanische Entertainmentgeschichte, zu Late Night Shows, evangelikalen Predigten, Wrestling und Vlogs, um von europäischer und amerikanischer Hoch- und Populärkultur zu erzählen. Welche Strategien verfolgen sie jeweils? Und wie hoch ist ihr subversives gesellschaftliches Potenzial, auch im Klassenkampf? Was ist wann Pop, Politik oder Populismus?

Das junge Theaterkollektiv aus Thomas Bartling, Jan Gehmlich und Dominik Meder lernte sich im Rahmen ihres Studiums der angewandten Theaterwissenschaften in Gießen kennen. Sie versprechen: „Wir lassen Countrysongs, Trumps Twitter-Tiraden und Stand-up-Nummern durch unseren persönlichen und künstlerischen Filter laufen und entwickeln so ein anderes, alternatives Bild von den USA.“ Es geht nicht um ein elitäres Bashing des so genannten „White Trash“, sondern um ein Einverleiben des amerikanischen Entertainments als Aufbruch in eine neue Neue Welt.

Von und mit — Thomas Bartling, Jan Gehmlich, Dominik Meder

Dramaturgische Beratung — Sebastian Brohn, Tobias Staab

„Amerika“ © Thomas Bartling, Jan Gehmlich, Dominik Meder

Metamorphosis

In naher Zukunft, in etwa 60 bis 80 Jahren, wird Gentherapie Krankheiten kurieren und den menschlichen Körper vor Deformierung schützen. Die Menschheit wird älter, die Menschheit wird besser. Doch der Grat zwischen „Leben retten“ und „den Menschen verbessern“ ist schmal. Biotechnik und Robotik bergen das Potenzial, uns in das Ideal der Perfektion zu treiben; sie sind der nächste Schritt der menschlichen Evolution. Was Fragen aufwirft: Wie einzigartig bist du, wenn du dir deine Körpermerkmale selbst aussuchen könntest? Ist unsere nahe Zukunft posthuman?

Auf dieser Schwelle bewegt sich die Aufführung „Metamorphosis“ des französischen Kollektivs Full Frontal Theatre. Nach praktischen und theoretischen Theaterausbildungen an verschiedenen Hochschule in Paris arbeiteten Regisseur Jérémy Ridel, Bühnenbildnerin Cerise Guyon und die drei SchauspielerInnen Simon Rembado, Chloé Lavalette und Antoine Prud’homme bereits in verschiedenen Konstellationen zusammen; für „Metamorphosis" stehen sie erstmals gemeinsam auf der Bühne. In einem stilisierten Schlafzimmer entfaltet sich ein Patchwork transhumaner Zukunftsfantasien.

Konzept und Regie — Jérémy Ridel

Bühne — Cerise Guyon

Mit — Simon Rembado, Chloé Lavalette, Antoine Prud'homme de la Boussinière

Dramaturgische Beratung —  Sebastian Brohn, Vasco Boenisch

„Metamorphosis“ © FFT

Roar

Das Ziel jeder Komik ist es, die Welt durch Lachen voran zu bringen, denn Lachen ist die Antwort auf unsere tragische Wirklichkeit. Aber weibliche Komik befindet sich in der Krise. Noch immer sind die verschiedenen Spielarten des Komischen fest in männlicher Hand. Männer kommentieren das politische Weltgeschehen, während die wenigen weiblichen Comedians sich auf eher frauenspezifische Themen beschränken. Offenbar bestehen genderabhängig verschiedene Zugänge zu Komik, vor allem im Sinn von Teilhabe.

Komik ist eine politische Angelegenheit. Die Aufführung „Roar“ ruft nach einer neuen  Form von Fun und Feminismus. Das Genre des Komischen ist hierbei nicht nur die Bastion, die es zu erobern gilt. Es ist gleichzeitig die einnehmendste Waffe. Die bisherigen Arbeiten der jungen Regisseurin Pia Richter (ehemalige Teilnehmerin des Campustriennale College), der Performerin und Dramaturgin Liliane Koch und der Schauspielerin Thea Rinderli bewegten sich zwischen Theater und Aktion, zwischen Politik und Kunst. Die Theatermacherinnen versprechen: „Wir beschwören den ,Comic Turn‘ herauf.“

Von und mit — Liliane Koch, Pia Richter, Thea Rinderli

Dramaturgische Beratung — Sebastian Brohn, Dorothea Neweling

„Roar“ © Koch, Richter, Rinderli
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