Skip to main content

Musik

kOnZERTe IM mAScHINeNHAUS - MIchAELa MeLIÀn

Thomas Meinecke

Die Musik von Michaela Meliàn lässt sich nicht einfach in bestehende Kategorien einordnen. Sie entzieht sich Ordnungsmustern, die auf binären Unterscheidungen beruhen: E und U, klassische Tradition und Pop, analog und digital, Mann und Frau. Ähnlich wie in ihren multimedialen Rauminstallationen, entfalten sich in ihrer Musik eine Vielzahl von Bedeutungsebenen, historischen Bezügen und möglichen Lesarten. Michaela Meliàn arbeitet mit Samples, also kleinen aufgenommenen Musikfragmenten, die als Loop wiederholt werden. Auf diese Weise verweist Meliàn direkt auf die Historizität von Klängen: Jeder Sound hat eine Geschichte, jeder neue Kontext produziert neue Bedeutungsdimensionen.

Auf dem Titelstück des Albums „Baden Baden“ (2004) benutzt sie beispielsweise ein Sample aus Franz Liszts symphonischer Dichtung „Les Préludes“ (1854). Diese Passage wurde wiederum im Dritten Reich vom Oberkommando der Deutschen Wehrmacht als Erkennungsmelodie für Berichte von der Sowjetfront im Volksempfänger verwendet. Auf einer anderen Ebene kann das Stück jedoch auch durch den linearen Beat in einer Tradition zu House-Musik verstanden werden, wobei in diesem besonderen Fall ästhetische Referenzen zu Krautrock auf der einen, Minimal Music auf der anderen Seite erscheinen. Dabei handelt es sich mithin um jene musikalischen Stile, die die historische Abgrenzung zwischen E- und U-Kultur aufweichten und den Weg für hybride Formen der Gegenwart geebnet haben.

Für die Ruhrtriennale entwickelt Meliàn einen Abend, bei dem sie selektierte Stücke ihrer elektronischen Solo-Alben „Baden Baden“, „Los Angeles“ und „Monaco“ mit einem dreiköpfigen, kammermusikalisch besetzten weiblichen Ensemble re-inszeniert. Die einzelnen Samples, die Meliàn meist selbst mit unterschiedlichen Instrumenten eingespielt und dann digital geloopt hat, werden auf diese Weise in analoge Strukturen zurück übersetzt. Darüber hinaus produziert Michaela Meliàn ein Video, das auf visueller Ebene diese Techniken von Re-Kontextualisierung und Überschreibung auf visueller Ebene reflektiert.

Michaela Meliàn ist eine in Bayern ansässige Bildende Künstlerin und Musikerin. Seit 2010 hat sie eine Professur für Zeitbezogene Medien an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg inne und ist Gründungsmitglied der Band Freiwillige Selbstkontrolle (F.S.K.).

Tickets