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Musiktheater / Uraufführung

DIe FreMDen

Kamel Daoud, Mauricio Kagel
Claude Vivier, György Ligeti
Reinbert de Leeuw, Johan Simons
Aernout Mik

Die Fremden Foto: JU/Ruhrtriennale

Jahrzehntelang war er bloß der Araber: ein namenloser Ermordeter in dem weltberühmten Roman „Der Fremde“ von Albert Camus. Der Franzose Meursault erschießt am Strand von Algerien einen Menschen, doch jetzt, mehr als ein halbes Jahrhundert später, meldet sich dessen Bruder zu Wort. Er gibt dem namenlosen „Araber“ einen Namen, ein Gesicht, eine Geschichte, und er verlangt Gerechtigkeit vor der Welt, die Camus’ Bestseller so lange unhinterfragt gefeiert habe. So schreibt es Kamel Daoud in seinem aktuellen, preisgekrönten Roman „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“, der die Geschichte einer algerischen Familie von der Kolonialzeit bis heute erzählt. Der Bruder des namenlosen Arabers rechnet ab: mit dem Westen, mit der Religion, mit dem, was unserem Leben vermeintlich einen Sinn gibt. Und plötzlich stellt sich heraus, dass er mit dem Mörder Meursault stärker verwoben ist, als gedacht…

In Folge 3 besucht Johan Simons die Zeche Auguste Victoria in Marl und trifft dort den Bergmann Thomas Prinz zu einem Gespräch über Brüderlichkeit.

Die Uraufführung „Die Fremden“ erzählt den „Fall Meursault“ und mit ihm drängende Fragen von kultureller Identität in Zeiten von Post-Kolonialismus, Flucht und Integration. Heute stehen die Namen- und Gesichtslosen – die Fremden – millionenfach an unseren Grenzen, haben eine Geschichte, eine Identität, eine Kultur. Was uns unweigerlich zu der Frage führt, wer denn wir eigentlich sind?

Regisseur Johan Simons kreiert nach dem großen Erfolg von „Accattone“ 2015 erneut eine besondere Form des Musiktheaters, diesmal ausgehend von der Frage: Wie schwierig ist es, die Perspektive des Anderen einzunehmen? In Mauricio Kagels „Stücke der Windrose“ spürt man die Orientierungslosigkeit zwischen Norden, Süden, Osten und Westen und erklingen Referenzen an unterschiedliche Kulturen. In den Werken von György Ligeti spiegelt sich das absurdistische Weltbild Albert Camus‘: in maschinenartigen Mechanismen und befremdenden Klangwolken, zu denen sich im Spätwerk synthetische Folklore und Volksmusik aus erfundenen Ländern gesellen. Und die in einer Fantasiesprache gesungene Komposition „Bouchara“ von Claude Vivier verweist auf die Verständigungsschwierigkeiten oder vielleicht auch -chancen in einer internationalen Welt. In diesem Klangkosmos wird der Künstler Aernout Mik, bekannt für seine politischen Filminstallationen an der Grenze von Realität und Fiktion, speziell für die Inszenierung eine neue Arbeiten realisiert, die zum Teil auch in der Marler Kohlenmischhalle gefilmt wurden. „Die Fremden“ ist politisches Musiktheater aus dem Herz und vom Rand Europas.

Filmstill aus Aernout Miks Filminstallation für „Die Fremden“, gefilmt 2016 in der Zeche Auguste Victoria in Marl © Aernout Mik
Filmstill aus Aernout Miks Filminstallation für „Die Fremden“, gefilmt 2016 in der Zeche Auguste Victoria in Marl © Aernout Mik
Filmstill aus Aernout Miks Filminstallation für „Die Fremden“, gefilmt 2016 in der Zeche Auguste Victoria in Marl © Aernout Mik

Diese­ Geschich­te­ muss neu geschrie­ben­ werden,­ in der gleichen­ Sprache,­ aber diesmal,­ wie das Arabi­sche,­ von rechts nach links.

(Kamel Daoud: „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“)
In unserer neuen Mini-Serie besucht Intendant Johan Simons Protagonisten oder Spielorte der Ruhrtriennale und thematisiert die zentralen Begriffe der Spielzeit 2016. Dem Programm der Ruhrtriennale liegen aufgrund der Ereignisse in Europa die Werte der Aufklärung zugrunde: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. In der zweiten Folge von „Johan zu Besuch“ unterhält sich unser Intendant mit Sandra Hüller, Schauspielerin und Teil des Ensembles der Ruhrtriennale-Produktion „Die Fremden“ (Premiere: 02.09.16), über Gleichheit.

Besetzung/ Mitwirkende

Haroun - Pierre Bokma, Benny Claessens, Elsie de Brauw, Sandra Hüller, Risto Kübar
M'ma - Elsie de Brauw
Meriem - Sandra Hüller
Offizier der Befreiungsarmee - Pierre Bokma
Der Imam - Pierre Bokma
Sopran - Katrien Baerts
& - Asko|Schönberg

© JU/Ruhrtriennale 2016

©JU/Ruhrtriennale 2016

©JU/Ruhrtriennale 2016

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