W.G. Sebald: Die Ausgewanderten

None
W.G. Sebald: Die Ausgewanderten | © Mats Staub
None
W.G. Sebald: Die Ausgewanderten | © Mats Staub

Ich lese gerade wieder W.G. Sebald, Die Ausgewanderten

Ich schreibe vorne in ein Buch, wann ich es gelesen habe und da steht, dass es zwanzig Jahre her ist und ich damals zwischen Nida, Kaliningrad, Danzig und Zürich unterwegs war.

Manchmal setze ich mit Bleistift Punkte an den Rand und notiere mir die Seitenzahlen, meist, wenn durch eine Formulierung oder ein Satz etwas anklingt in mir. 

In diesen Tagen waren es drei:

S. 256 »um eine seit langem verschüttete Erlebnisspur, an die ich nie zu rühren gewagt hatte, wiederaufzunehmen.«

S. 259 »die Lagune der Erinnerungslosigkeit«

S. 285 »Welche Vorkehrungen ich bewusster- wie unbewusstermassen auch traf, um mich zu immunisieren gegen das von den Eltern erlittene Leid und gegen mein eigenes, und wie sehr es mir zeitweise gelungen sein mag, in meiner Zurückgezogenheit das seelische Gleichgewicht mir zu erhalten, das Unglück meines jugendlichen Noviziats hatte so tief Wurzel gefasst in mir, dass es später doch wieder aufschiessen, böse Blüten treiben und das giftige Blätterdach über mir aufwölben konnte, das meine letzten Jahre so sehr überschattet und verdunkelt hat.«

Mats Staub, Berlin, 6. Januar 2021
Idee, Konzept, Leitung  21 – Erinnerungen ans Erwachsenwerden (Vollständige Edition) und Jetzt&Jetzt