Elias Canetti: Die Blendung

Elias Canetti: Die Blendung | © Jürg Kienberger

Da liegt Canettis Blendung auf Seite 420 aufgeschlagen neben mir. Ich habe mich also fast ganz durchgebissen, worüber ich doch einigermaßen erstaunt bin, da ich mich eher als Zeilengeniesser, denn als Romanwälzer bezeichnen würde. Durchgebissen deswegen, weil mich z.B. das Frauenbild der Romanhelden und so vermutlich auch zum Teil des Autors tüchtig erschauern lässt. Soll das nun in Eure Bibliothek finden? Andererseits ist die Sprache so genau, es macht großen Spaß, ganze Kapitel laut zu lesen. Ich denke an eine Verwandtschaft zu Joyce' Ulysses, womit die Brücke geschlagen wäre zu meiner Mitarbeit in Die Toten.

Ganz anders, aber auch auf meinem Nachttisch: Kamikaze von Andreas Schertenleib, erschienen vor kurzem in sehr limitierter Auflage (222 Stück!). Es ist ein Büchlein in Berndeutsch zu seinem Stück über Freundschaft und Geld. Werden die Ruhrtriennale-Besucher:innen sich darin zurechtfinden können? Ist gerade ein so exotisches, kostbares, aber wegen der für Deutsche schwer verständlichen Sprache sperriges Kleinod ein wertvoller Beitrag in der entstehenden Sammlung? Versehen mit den nötigsten Übersetzungen wie: Gäut=Geld.

Jürg Kienberger, St.Louis, 12. März 2021