Festival der Künste2021

Ludwig Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus

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Ludwig Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus | © Edu Haubensak
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Ludwig Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus | © Edu Haubensak

In Perioden von sieben bis zehn Jahren nehme ich den Klassiker aus dem Bücherschrank und lese erneut: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen. Viele kennen diesen berühmten letzten Satz, die Ziffer 7.

Gekauft habe ich das kleine schmale Büchlein mit den Gleichungen und logischen Sentenzen vor vielleicht dreißig Jahren. Diese Schrift ist voll von paradoxen Denkübungen und ich lese wieder darin: Ziffer 6.1251, Darum kann es in der Logik auch nie Überraschungen geben. In der Musik gibt es Logik und Überraschung, das Unverhoffte unterbricht die scheinbar logische Abfolge, das kann ein wiederkehrendes Element in einer musikalischen Komposition sein.

Oder: Den rechten Handschuh könnte man an die linke Hand ziehen, wenn man ihn im vierdimensionalen Raum umdrehen könnte. Wittgenstein sucht die Grenzen der Dimensionen zu überschreiten, das ist die Aufgabe des Philosophen. Oder des Künstlers. Bruce Nauman, All Thumbs 1996.

Dann Wittgensteins Statement zu den Grenzen der Sprache und alles was darüber hinaus zeige, sei Unsinn.
Mein Gedanke dreht sich um die alte Frage, ob Musik eine Sprache sei.
‘Musik ist keine Sprache, Musik ist eine andere Dimension’.
Momentan antworte ich auf diese Weise.
(Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.)

Edu Haubensak, Zürich, 24. Februar 2021
während eines Saharastaubatmosphären-Ereignis