Junge Kollaborationen

Der Begriff der Kollaboration hat sich zu einem Modebegriff entwickelt, auch und gerade in der Kulturindustrie und im Bereich der kulturellen Bildung und Vermittlung. Nach zwei Jahren der Kollaborationen bei der Ruhrtriennale ist es Zeit zu überprüfen, was passiert ist. Haben wir kollaboriert? Wenn ja mit wem und mit welchem Ergebnis?

Die Ruhrtriennale räumt den ca. 40 jugendlichen Mitgliedern von Mit Ohne Alles einen Platz in ihrer Institution ein und unterstützt sie als gleichwertige Akteure bei der Umsetzung ihrer künstlerischen Ideen – dies ist das zentrale Statement des Programms der Jungen Kollaborationen.

Ende Februar 2017 zieht die Kultur Ruhr GmbH in neue Büroräume im Westpark der Jahrhunderthalle Bochum. Die Planungen zum Bau, zur Raumverteilung und Verortung der Abteilungen im Gebäude verliefen transparent und begleitet von vielfältigen Diskussionen. Größe und Aufteilung von Büros ist immer eine Machtfrage und verdeutlich Strukturen innerhalb einer Institution, die bei einem solchen Prozess zu Tage treten. Auch ohne das Zutun der Abteilung der Jungen Kollaborationen wurde das künstlerische Produktionsbüro der Teenager mitgedacht und eingeplant. Sie haben einen eigenen Raum in der Dramaturgie, zentral gelegen und auf einer Etage mit Geschäftsführung und Intendanz.

Mit den Projekten von Mit Ohne Alles, die die Gruppe für das Publikum der Ruhrtriennale entwickelt, öffnen sie eine Tür zu ihrer Kultur. Sie laden das erwachsene Publikum ein zu Rundgängen durch ihre Viertel, Unterhaltungen über Sex, lassen es teilhaben an ihrer Welt im Internet und auf dem Smartphone. An der Schnittstelle zum erwachsenen Publikum wird die in Deutschland noch sehr deutliche Trennung einer Kultur für Erwachsene und  einer Jugendkultur sichtbar. So funktionieren die Formate besonders gut, die nicht um Erlaubnis zur Kollaboration bitten, sondern die einfach stattfinden: Wenn das Publikum vor einer Veranstaltung Fragen der Jugendlichen beantworten muss, bevor es eintreten darf, wenn auf dem Vorplatz der Jahrhunderthalle Bochum plötzlich Spiele stattfinden und die ZuschauerInnen einbezogen werden – dann kommt es zu erstaunlichen Begegnungen, die die eingefahrenen Beziehungen von Jugendlichen und Erwachsenen in neue Bahnen lenken.

Die KünstlerInnen, die mit den Jugendlichen 2015 und 2016 zusammengearbeitet haben, wie zum Beispiel She She Pop, Darren O`Donnell oder Nora Gomringer, weisen auf die Ernsthaftigkeit der Teenager bei der Arbeit hin oder bemerken das Selbstverständnis, mit dem sie sich im Kontext des Festivals bewegen und arbeiten. Alle konnten voneinander lernen und sich gegenseitig inspirieren. Gerade in der Auseinandersetzung mit anderen KünstlerInnen fühlen die Teenager die gelungene Kollaboration, eine Begegnung die beide Seiten befruchtet und verändert.

Die beständige und immer selbstverständlichere Anwesenheit der Jugendlichen im Büro und im Festival, sei es um zu arbeiten oder auch einfach nur abzuhängen und dabei zu sein, hat zu ersten Veränderungen geführt. Zu mehr Großzügigkeit im Umgang, zu mehr Interesse aneinander. Ein Prozess wurde in Gang gesetzt, an dem viele beteiligt sind, teilweise auch gegen ihren Willen. Das gilt für die Institution wie für das Publikum oder die beteiligten Schulen. Wir stehen noch ganz am Anfang der Kollaboration. Aber dieser Anfang ist erkennbar und ermutigend.

Mit Ohne Alles

Mit ohne Alles © Konstantin Bock

Wir sind Mit Ohne Alles:

Ahmet: killerkerl // routiniertdiszipliniert //sleepyhead // fitnessfreak
Betül: blackbeltwarrior // ambitiouslady // backliebe // frechekriegenwasiewollenbravenureinenlolli
Blaviana: b-cool // dramaqueen // amorslittlehelper // queendergruppe
Borana: bitterheart // funnyfreshgirl // selfiequeen // großesherzmanchmalkommtdraufan
Cinar: muffinmonster // fußballgöttin // schwesterherz
Christopher: keinbaumzuhoch // animalfriend // gamingnerd  // no stress
Daniel: teamworker // gesangstalent // dancingking // nevermissaproject
Diyar: handysüchtig // fußballfanatisch // chilloutwithfriends // freehugs
Eeske: creativemind // headstrong // motiviertaberkompliziert // vollverträumt
Emma: baconaddicted // gesangsfanatisch // curlygirly // antifa-lover
Elisabeta: haribosüchtig // prettyandsweet // bigsis // musiclistener
Gladstone: handyloser // gladdydaddy // brosbeforehoes // sixpackträger
Graziano: geilertyp // hammamammayeah // alwaysfabulous // rnb4ever
Gzime: strebennachglück //grinsekatze // immerdaszielvoraugen // freudentänzerin
Jule: mangamalerin // sushifreak // coolandcalm // tierlieb
Julia: pizzafanatikerin // szalona (durchgedrehte) // backgenie // gadula (labertasche)
Jasmina: volleyballexpertin // smileyface // loveforspanishmusic // friends4ever
Joana: singingqueen // beautifulgirl // frechesmädchen // zuckerwattenschnute
Kaja Sophie: bollywoodfreak // schuhsüchtig // kummerkasten // flechtfrisurenmeisterin
Laura: treueseele // lonesomeater // dirtydancer // goalkeeper
Lisa: blondesbiest // backqueen // pizzaschnute II maneater
Mujtaba: keinplayboy // freestylefootballer // bowlingboy // jedentagmcdonalds
Muhammed: humanitylover // prosperityseeker // prayforpeace // alwaysinprogress
Maurice: crazyphotographer // musikmacher // trainierenimstudio // nicknameMo
Michal: driftking // fußballboss // partyboy // meetwithfriends
Navjot: trainingstier // actoroneday // makeseverybodylaugh // snapchatboss
Nana: nanalicious // unique // no one is still someone // derboss
Oliwia: fashionvictim // naturalblonde // foodporn // femmefatale
Prince: princethepoet // uniteAfrica // peacelover // bundeskanzleroneday
Pascal: queen // lgbt pride // art for life // fries before guys
Robert: fußballgott // allesfresser // sitzriese // rebelspirit
Sonja: inspirationsquellensucherin // idealist // weltoffen // direkt
Sabjon: langschläfer // zeitfürfreunde // outdoorfan // aliveandkickingthe ball
Selman: faulpelz // niceguy // fitnessfanatiker // taccolover
Solomon: swaggerboy // sympatico // nevergetslostinthestreetsofduisburg
Wesir: mädchenklarmachen // schlafmütze // fußballking // scheißebauen

 

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Behind the Scenes by Teens © Eva Czaya

Gefördert durch die Stiftung Mercator.

Ein Projekt der Ruhrtriennale.