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Auch Paris ist reif für den „Domestikator“!

04. Okt. 2017

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Heike Kandalowski/Ruhrtriennale 2015

Während der Ruhrtriennale 2017 war der „Domestikator“ sechs Wochen lang als Teil der Großinstallation „The Good, the Bad and the Ugly“ von Atelier Van Lieshout auf dem Vorplatz der Jahrhunderthalle Bochum zu sehen. Unter der Intendanz von Johan Simons war das außergewöhnliche Kunstdorf über drei Jahre hinweg fester Programmbestandteil des Festivals der Künste und entwickelte sich zum Festivalzentrum – zum Herz – der Ruhrtriennale. Nach dem Ende der Spielzeit 2017 sollte das Kunstwerk im Rahmen der französischen Kunstmesse „FIAC“ demnächst in Paris zu sehen sein. Auf Weisung des Louvre-Museums darf die Installation jedoch nicht wie geplant im Jardin des Tuileries gezeigt werden, da die Museumsleitung befürchtet, das Kunstwerk könne aufgrund der expliziten sexuellen Darstellung Anstößigkeit erregen. Ein Statement von Johan Simons, Intendant der Ruhrtriennale 2015 – 2017:

„Warum gibt es Kunst? Um unsere Blicke neu zu schärfen, um uns in ungekannte Perspektiven zu locken, um uns zu irritieren und zu berühren und zum Nachdenken zu animieren. Alles das tut der „Domestikator“ von Atelier Van Lieshout: einige geometrische Formen, Kästen und Fenster, die plötzlich noch etwas ganz anderes darstellen. Ein Symbol für Macht, für Unterdrückung, für Freiheit und Vergnügen. Wer wollte das eindeutig beantworten? Drei Jahre lang stand der „Domestikator“ jeweils sechs Wochen lang in den Sommermonaten im Herz der Ruhrtriennale, des Festivals der Künste. Drei Sommer lang mitten im öffentlichen Westpark in Bochum. Mehrere Zehntausend Menschen sind hier entlang spaziert, entlang geradelt oder gezielt hierher gepilgert, um das zu sehen. Zehntausende Menschen haben gestutzt, gelacht, gegrübelt, so soll es sein. Nie aber gab es Protest, dass dieses skurrile Kunstwerk dort stand. Im Gegenteil: Die Fotos vom „Domestikator“ gingen um die Welt, ja das Kunstdorf von Atelier Van Lieshout bei der Ruhrtriennale wurde sogar zu den „Top 10 Art Exhibitions 2015“ gewählt. Nun frage ich mich: Sind die Deutschen wirklich weniger ängstlich als die Franzosen? Weniger verklemmt und stattdessen humorvoller? Wollen das die Franzosen etwa auf sich sitzenlassen? Wo sind sie hin, die Ideale von Liebe, freier Liebe, die sprichwörtliche Leidenschaft der Franzosen, der Pariser!? Was ist mit Liberté, mit der Freiheit, dem höchsten Gut der Französischen Revolution und der europäischen Grundwerte!? Die Kunst ist frei. Und jeder Mensch soll frei sein, diesen „Domestikator“ zu erblicken, zu entdecken, zu hinterfragen, vielleicht sogar: darin zu übernachten (jawohl!), ihn anzulachen oder auch mit Worten anzugreifen. Aber dafür muss man ihn sehen können. Mitten unter den Menschen. Die Ruhrtriennale war stolz auf dieses Kunstwerk und dankbar dafür. Offenheit statt Angst, Diskussion statt Zensur – diese Ideale sollten uns doch alle verbinden.
Also: Auch Paris ist reif für den „Domestikator“!“

Mehr zu den Hintergründen gibt es hier.

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