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Halbzeit bei der Ruhrtriennale 2017

06. Sep. 2017

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Klaus Rudolph/Ensemble Musikfabrik

Es ist Halbzeit: Die ersten drei Festivalwochen sind schon fast vorbei. Was für ein Rausch der Künste! Wir nehmen uns einen Moment, um die bisherigen Highlights der Ruhrtriennale 2017 Revue passieren zu lassen und mit Vorfreude auf kommende Produktionen zu blicken.

Eröffnet wurde die Ruhrtriennale am 18.8.17 mit der Oper „Pelléas et Mélisande“ mit Starsopranistin Barbara Hannigan als schöne und entrückte Mélisande in einer Neuinszenierung von Krzysztof Warlikowski.

Und schon 24 Stunden später feierten 2.600 BesucherInnen an gleicher Stelle – der Bochumer Jahrhunderthalle – mit „Ritournelle“ die Festivalnacht der elektronischen Musik.

„Ritournelle“ © Volker Beushausen / Ruhrtriennale 2017

Einen tänzerischen Trip von der Hölle durch das Fegefeuer bis ins Paradies erlebten die ZuschauerInnen der Produktion „Three Stages: Model – In Medias Res – El Dorado“ von Richard Siegal. Währenddessen nahm „Kein Licht. 2011/2012/2017“ – eine Musiktheater-Produktion nach Texten von Elfriede Jelinek – das Publikum mit in eine Welt nach dem Super-GAU. Mit der Tanz-Produktion „Projecting [Space[“ von Choreografin Meg Stuart wurde erstmals die Zentralwerkstatt der Zeche Lohberg zur Ruhrtriennale-Spielstätte.

„Kein Licht. 2011/2012/2017“ © Caroline Seidel / Ruhrtriennale 2017

Und die Installation „White Circle“ ermöglichte BesucherInnen synästhetische Erfahrungen von Industriearchitektur und Klang in der Kraftzentrale des Landschaftsparks Duisburg-Nord. So viel zu dem, was war. Diese und die kommenden Festival-Wochen bieten ein nicht minder abwechslungsreiches Programm.

„White Circle“ © Daniel Sadrowski/Ruhrtriennale 2017

Los geht es mit dem international gefeierten Choreograf Trajal Harrell. Ab dem 6.9.17 zeigt er bei PACT Zollverein mit „Caen Amour“ eine Performance als Kreuzung aus Hoochie-Coochie-Show – einer sexualisierten Form des Bauchtanzes –, Tanzlabor und Modenschau. An der Schnittstelle von Tanz, Geschichte und Orientalismus bringt Trajal Harrell auf spielerische und sinnliche Weise Kategorien und Geschlechterrollen ins Wanken.

Luk Percevals Schauspiel-Trilogie für die Ruhrtriennale – eine Auseinandersetzung mit Émile Zolas „Die Rougon-Macquart“ – findet ab dem 7.9.17 mit „Hunger. Trilogie meiner Familie 3“ ihren Abschluss. An zwei Terminen steht den ZuschauerInnen in Duisburg dabei ein besonders intensives Theater-Erlebnis bevor: alle drei Produktionen aus den letzten Jahren an einem Tag – mit Massagen, Bewegungs-Sessions und einer Industriekultur-Führung durch den Landschaftspark Duisburg-Nord im Pausenprogramm.

Ein einzigartiges Mash-up erwartet das Publikum ab 13 Jahren bei der Deutschlandpremiere von „The Broke ‘N’ Beat Collective“ am 16.9.17 in der Turbinenhalle der Jahrhunderthalle Bochum. Die beiden britischen Theatergruppen Theatre-Rites und 20 Stories High erzählen Geschichten von Großstadt-Teenagern in einem Remix aus Hip-Hop und Theater. Wortgewaltig, berührend und komisch.

„The Broke ‘N’ Beat Collective“ © Robert Day

Monophonie“ ist der Titel für zwei Konzertabende, die alles andere als eintönig werden. Dafür sorgen die von Avantgarde-Komponist Harry Partch entworfenen mikrotonalen Instrumente, die Skulpturen ähneln. Der Berliner DJ und Techno-Produzenten Phillip Sollmann nimmt die Herausforderung an, mit Partchs musikalischem Erbe umzugehen. In einer Mischung aus Neukompositionen und bereits bestehenden Werken zeigt er, wie Musik über Traditionen und Konventionen hinaus zu denken ist.

Am 22.9.17 wird in der Uraufführung von „Homo Instrumentalis“ mit Werken von Georges Aperghis, Luigi Nono und Yannis Kyriakides das Verhältnis von Mensch und Maschine und die Frage nach Herrscher und Beherrschten in einer virtuellen Wirklichkeit aufgeworfen. Vom Speer zum Smartphone: Über die Jahrhunderte haben die Menschen zahllose Werkzeuge erfunden, um sich die Welt untertan zu machen. Aber sind es wirklich wir, die über unsere Technologie herrschen, oder hat sie uns im Griff? Eine klangvolle Suche nach Antworten erwartet das Publikum in der Gebläsehalle des Landschaftspark Duisburg-Nord.

Die letzte Regiearbeit von Johan Simons als Intendant der Ruhrtriennale feiert am 22.9.17 in der Jahrhunderthalle Bochum Weltpremiere. „Cosmopolis“, nach dem gleichnamigen Roman von Don DeLillo, nimmt das Publikum mit auf eine schicksalhafte Reise durch Manhattan mit einem Währungsspekulanten, der nicht nur sein gesamtes Kapital aufs Spiel setzt. Parallelen zu einem real existierenden überaus risikofreudigen New Yorker sind rein zufällig.

Das Festival endet am 30.9.17 in der Turbinenhalle der Jahrhunderthalle Bochum mit einer Live-Show des venezolanischen Musikers „Arca“, der bereits Stücke von Björk und Kanye West produziert hat. Auf seinem einzigen diesjährigen Deutschlandkonzert bietet Arca in Zusammenarbeit mit dem Filmkünstler Jesse Kanda und der Modeschöpferin Grace Wales ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk. Ein queeres Ende? Vielleicht auch ein Anfang...

„Arca“ © Daniel Shea
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