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Elfriede Jelinek exklusiv über Donald Trumps Klimapolitik

05. Jul. 2017

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Ruhrtriennale

Elfriede Jelinek kann es nicht lassen. Zum Glück. Auf Anfrage des Regisseurs Nicolas Stemann hat sich die Literaturnobelpreisträgerin wieder an den Schreibtisch gesetzt und einen neuen Text verfasst. Diesmal ihr Thema, ihr Feindbild: Donald Trump und sein Umgang mit Klimaschutz und Atomwaffen. Der neue Text wird als hochaktuelles Update ihres Stückes „Kein Licht.“ erstmals bei der Ruhrtriennale gezeigt werden.

Worum geht es? Zum ersten Mal schrieb Jelinek an „Kein Licht.“ im Jahr 2011. Ohne dass auch nur einmal die Worte Fukushima oder Atomkraft fallen, zeigt der Text eine Geisterwelt nach dem Super-GAU. Zwei Elementarteilchen irren durch den Raum. Vielleicht sind es auch zwei MusikerInnen: die erste und die zweite Geige. Zwei Stimmen A und B, die zueinander sprechen, sich selbst aber nicht hören können. Absurde Geisterstunde.

Diesen Text hat Jelinek bereits ein Jahr danach fortgeführt. Die Teile „Prolog?“ und „Epilog?“ lassen unter anderem eine Trauernde an den Ort des Geschehens zurückkehren und durch eine apokalyptische Landschaft streifen. Dieser Part entstand unter dem unmittelbaren Eindruck der Energiewende-Entscheidung Angela Merkels. Die „Trauernde“ in Jelineks Zusatztext „weint Krokodilstränen“, wie Regisseur Nicolas Stemann im K.West-Interview beschreibt.

Und jetzt 2017. Schon im Wahlkampf hatte Donald Trump freizügig den Einsatz von Nuklearwaffen kommentiert; damit machte er auch nach seiner Ernennung zum US-Präsidenten nicht Schluss: „It would be wonderful, a dream would be that no country would have nukes, but if countries are going to have nukes, we’re going to be at the top of the pack“, ließ Trump im Februar 2017 verlautbaren („Es wäre wundervoll, ein Traum, wenn kein Land Nuklearwaffen besäße, aber wenn Länder Nuklearwaffen haben, werden wir an der Spitze der Bande sein.“). Inspiriert von der Kehrtwende der neuen US-Regierung beim Umwelt- und Klimaschutz, lässt Elfriede Jelinek nun Donald Trump als „Der König“ auftreten: ein König ohne Vorbild, ohne Maß und Verstand, der narzisstisch mit Klima und Atom spielt.

Der neue Zusatztext trägt den Titel „Der Einzige, sein Eigentum (Hello darkness, my old friend)“. Mit Zorn und beißendem Spott arbeitet sich Jelinek an Donald Trump ab: „Der hatte einen Lauf kann ich Ihnen sagen! Wenn den keiner stoppt, läuft er morgen auch noch dahin. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der jetzt beendet sein soll, im Gegenteil, der fängt immer wieder neu an, ich glaube, das ist es.“

Mit diesem vierten Teil, exklusiv für das Projekt verfasst, hat Elfriede Jelinek „Kein Licht.“ noch einmal um eine brisante Aktualisierung erweitert. Der neue Untertitel trägt dem Rechnung: „Kein Licht. (2011/2012/2017)“.

Das Musiktheaterstück wird ab dem 25. August erstmals bei der Ruhrtriennale gezeigt. Regie führt der Jelinek-Spezialist Nicolas Stemann (designierter Intendant des Schauspielhauses Zürich). Die Produktion ist eine neue Opernform des französischen Komponisten Philippe Manoury, bei der u. a. auch die Schauspielerin Caroline Peters mitwirken wird. Nicolas Stemann: „Der neue Text von Jelinek ist erst vor wenigen Wochen entstanden, konnte aber noch in die Komposition von Philippe Manoury einfließen. Das spricht sehr für das Work-in-progress-Verfahren, das wir für dieses Musiktheaterprojekt gewählt haben. Jelinek führt darin die Diskrepanz zwischen technischem Potenzial und der Beschränktheit menschlicher Vernunft beunruhigend vor Augen.“

Ruhrtriennale-Intendant Johan Simons, der als Regisseur auch bereits mehrere Jelinek-Dramen uraufgeführt und eine enge Arbeitsbeziehung zu der Schriftstellerin hat: „Ich freue mich sehr auf diesen neuen Text von Elfriede Jelinek. Ich habe ihn zwar noch nicht gelesen, aber ich bin mir sicher, dass Donald Trump für Jelinek der unsexieste Mann überhaupt ist. Man muss sich nur mal seinen Mund anschauen – und dann noch alles das, was aus diesem Mund herauskommt!“

Elfriede Jelinek, Philippe Manoury und Nicolas Stemann steuern mitten hinein in die Abgründe der Energiegewinnung. Wütend-pessimistisch. Komisch und Farce-haft. Und sehr aktuell.


Ausführliche Informationen zur Veranstaltung sind hier zu finden.

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