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„Neue Welten“: Die Campustriennale Masterclass 2017 steht fest

03. Mai. 2017

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iStock/Xinxinxing

In diesem Jahr blickt die Ruhrtriennale in die Zukunft. Im Fokus stehen Geschichten von Zukunft und Veränderung sowie die Suche nach Visionen und Utopien. Mit welchem Gefühl begegnen wir der Welt von morgen? Wohin führt uns der Fortschritt? Wartet am Ende das Paradies, oder was folgt nach der Apokalypse?

Auch die Campustriennale Masterclass greift mit „Neue Welten“ die thematischen Linien der Spielzeit 2017 auf. Drei junge Theaterkollektive erhalten die Möglichkeit, den Themen „Utopien“ und „Zukunftsvisionen“ nachzuspüren und ein eigenes Projekt mit professioneller Unterstützung zu verwirklichen.

In Kooperation mit dem Ringlokschuppen Ruhr hat die Ruhrtriennale junge Theatermachende dazu aufgerufen, sich für die Teilnahme zu bewerben: Drei Gruppen entwickeln innerhalb von dreieinhalb Wochen Uraufführungen im Rahmen einer Masterclass, unterstützt von international renommierten KünstlerInnen und DramaturgInnen.

Die Auswahl bilden drei junge Theaterkollektive, deren Mitglieder aus verschiedenen Teilen Europas stammen und zum Teil das Festival bereits im Rahmen des Campustriennale College kennengelernt haben. Aus einer Vielzahl von internationalen wie nationalen Bewerbungen hat eine Jury, bestehend aus Matthias Frense, Künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des Ringlokschuppen Ruhr, sowie DramaturgInnen der Ruhrtriennale und des Ringlokschuppen Ruhr, die TeilnehmerInnen ausgewählt. Am 23. und 24. September feiern die drei Produktionen im Rahmen der Ruhrtriennale ihre Weltpremiere.

„Amerika“ © Thomas Bartling, Jan Gehmlich, Dominik Meder

„Amerika“
Thomas Bartling, Jan Gehmlich, Dominik Meder

Die Begegnung von Christoph Kolumbus mit dem amerikanischen Kontinent als Neue Welt markierte zugleich den immer noch gültigen Begriff des Alten Europas. Die Performance „Amerika“ steigt tief hinab in die amerikanische Entertainmentgeschichte, zu Late Night Shows, evangelikalen Predigten, Wrestling und Vlogs, um von europäischer und amerikanischer Hoch- und Populärkultur zu erzählen. Welche Strategien verfolgen sie jeweils? Und wie hoch ist ihr subversives gesellschaftliches Potenzial, auch im Klassenkampf? Was ist wann Pop, Politik oder Populismus?

Das junge Theaterkollektiv aus Thomas Bartling, Jan Gehmlich und Dominik Meder lernte sich im Rahmen ihres Studiums der angewandten Theaterwissenschaften in Gießen kennen. Sie versprechen: „Wir lassen Countrysongs, Trumps Twitter-Tiraden und Stand-up-Nummern durch unseren persönlichen und künstlerischen Filter laufen und entwickeln so ein anderes, alternatives Bild von den USA.“ Es geht nicht um ein elitäres Bashing des so genannten „White Trash“, sondern um ein Einverleiben des amerikanischen Entertainments als Aufbruch in eine neue Neue Welt.

„Metamorphosis“ © FFT

„Metamorphosis“
Full Frontal Theatre

In naher Zukunft, in etwa 60 bis 80 Jahren, wird Gentherapie Krankheiten kurieren und den menschlichen Körper vor Deformierung schützen. Die Menschheit wird älter, die Menschheit wird besser. Doch der Grat zwischen „Leben retten“ und „den Menschen verbessern“ ist schmal. Biotechnik und Robotik bergen das Potenzial, uns in das Ideal der Perfektion zu treiben; sie sind der nächste Schritt der menschlichen Evolution. Was Fragen aufwirft: Wie einzigartig bist du, wenn du dir deine Körpermerkmale selbst aussuchen könntest? Ist unsere nahe Zukunft posthuman?

Auf dieser Schwelle bewegt sich die Aufführung „Metamorphosis“ des französischen Kollektivs Full Frontal Theatre. Nach praktischen und theoretischen Theaterausbildungen an verschiedenen Hochschulen in Paris arbeiteten Regisseur Jérémy Ridel, Bühnenbildnerin Cerise Guyon und die drei SchauspielerInnen Simon Rembado, Chloé Lavalette und Antoine Prud’homme bereits in verschiedenen Konstellationen zusammen; für „Metamorphosis" stehen sie erstmals gemeinsam auf der Bühne. In einem stilisierten Schlafzimmer entfaltet sich ein Patchwork transhumaner Zukunftsfantasien.

Französisch mit deutschen Übertiteln.

„Roar“
Liliane Koch, Pia Richter, Thea Rinderli

Das Ziel jeder Komik ist es, die Welt durch Lachen voran zu bringen, denn Lachen ist die Antwort auf unsere tragische Wirklichkeit. Aber weibliche Komik befindet sich in der Krise. Noch immer sind die verschiedenen Spielarten des Komischen fest in männlicher Hand. Männer kommentieren das politische Weltgeschehen, während die wenigen weiblichen Comedians sich auf eher frauenspezifische Themen beschränken. Offenbar bestehen genderabhängig verschiedene Zugänge zu Komik, vor allem im Sinn von Teilhabe.

Komik ist eine politische Angelegenheit. Die Aufführung „Roar“ ruft nach einer neuen Form von Fun und Feminismus. Das Genre des Komischen ist hierbei nicht nur die Bastion, die es zu erobern gilt. Es ist gleichzeitig die einnehmendste Waffe. Die bisherigen Arbeiten der jungen Regisseurin Pia Richter (ehemalige Teilnehmerin des Campustriennale College), der Performerin und Dramaturgin Liliane Koch und der Schauspielerin Thea Rinderli bewegten sich zwischen Theater und Aktion, zwischen Politik und Kunst. Die Theatermacherinnen versprechen: „Wir beschwören den ,Comic Turn‘ herauf.“

Eine Produktion der Ruhrtriennale in Kooperation mit dem Ringlokschuppen Ruhr.

An zwei langen Theaterabenden im Ringlokschuppen Ruhr werden die ZuschauerInnen in „Neue Welten“ entführt und können sich auf unterhaltsames und politisches Theater in drei sehr unterschiedlichen Stilrichtungen freuen. Alle Infos gibt es hier.

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