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5 Fragen an... Michaela Melián

11. Mai. 2017

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Thomas Meinecke

Michaela Melián ist Bildende Künstlerin und Musikerin. Gemeinsam mit Justin Hoffmann, Thomas Meinecke und Wilfried Petzi ist sie Gründungsmitglied der Band Freiwillige Selbstkontrolle (F.S.K.). Musik ist auch ein fester Bestandteil ihrer künstlerischen Praxis. Ihre Werke schließen Installationen, Filme, Fotografien, Zeichnungen, Objekte, Musik und Texte ein. Seit 2010 ist sie außerdem Professorin für zeitbezogene Medien an der Hochschule für bildende Künste (HfbK) in Hamburg. Wir haben Michaela Melián fünf Fragen über ihr Konzert bei der Ruhrtriennale, ihre Arbeitsweise und über Utopien gestellt.

Ruhrtriennale: Als Bildende Künstlerin und Musikerin arbeitest du mit Samples und präsentierst deine Arbeiten in multimedialen Rauminstallationen. Was können die Ruhrtriennale-BesucherInnen bei deinem Konzert im Maschinenhaus erwarten?

Michaela Melián: Für den Abend im Maschinenhaus werde ich verschiedene Musikstücke, die in den letzten Jahren für Ausstellungssituationen entstanden sind, zusammenstellen. Ursprünglich habe ich alle Instrumente für die Aufnahmen dieser Stücke im Studio selbst eingespielt. Mit zwei Musikerinnen entwickle ich nun Live-Versionen dieser Tracks. Zusätzlich produziere ich Videomaterial und arbeite an einem speziellen Bühnensetting – all das ist gerade im Entstehen und wird so vorher noch nicht stattgefunden haben.

© Michaela Melián / VG Bild-Kunst

RT: Mit deiner Musik spannst du ein Netz aus Erzählungen und Bedeutungen mit einer Vielzahl an kulturgeschichtlichen, popkulturellen und gesellschaftspolitischen Referenzen. Wie würdest du deine Musikrichtung in eigenen Worten beschreiben?

MM: Nach einem Musik- und Kunststudium war das Musikmachen schon immer Teil meiner künstlerischen Praxis. 1980 habe ich mit Justin Hoffmann, Thomas Meinecke und Wilfried Petzi an der Münchner Kunstakademie die Band F.S.K. (Freiwillige Selbstkontrolle) gegründet. Als Bandkollektiv sind wir bis heute aktiv, veröffentlichen Schallplatten und spielen live. Ab der Jahrtausendwende, als es möglich wurde, Musik selbst zu produzieren, habe ich angefangen, auch eigene Musik zu machen. Meine Musik klingt nach und entsteht mit den Instrumenten, die ich selbst spielen kann, kombiniert mit Klängen elektronischer Klangerzeuger. Kammermusik trifft Club. Klangstrukturen verschiedenster Provenienz, ob analog eingespielt, am Synthesizer programmiert oder aus meiner Sammlung von Fieldrecordings ausgewählt, werden in der Komposition nach und nach übereinandergeschichtet. Dabei entstehen fragile und fließende Klanggewebe. Die Musik behandel ich als eigenständige Stimme in meiner künstlerischen Praxis. Sie bringt in den Installationen die Zeitlichkeit ins Spiel, sie umfließt die Ausstellungsbesucher und lädt sie zum Verweilen ein.

RT: Du hast für deine Hörspiele bereits mehrere Auszeichnungen erhalten. Welche Orte sind, deiner Ansicht nach, geeignet sich diese anzuhören?

MM: Das Schöne an Radioproduktionen ist, dass sie prinzipiell von jeder Person im Sendebereich ohne Zugangsschwelle gehört werden können, ohne dass sich ein bestimmtes Publikum bewusst an einen definierten Kunstort begeben muss. Meine Hörspiele sind immer Teile von größeren Kunstprojekten, sie reflektieren jeweils in einer eigens produzierten Version das Radio als öffentlichen Raum. Diese Praxis ermöglicht es mir, ein anderes Publikum anzusprechen als dasjenige, welches normalerweise an Orten der zeitgenössischen Kunst zu erwarten ist.

© Michaela Melián / VG Bild-Kunst

RT: Du gehörst zu einer Generation von Frauen, die mit einem männlich dominierten Kunstmarkt konfrontiert sind, und verstehst dich als Künstlerin in der Tradition feministischer Dekonstruktion. Wie spiegelt sich dies in deinen Arbeiten wider?

MM: Alle meine Projekte sind aus einer feministischen Perspektive heraus realisiert: Das heißt, alles was ich mache, mache ich nicht alleine, sondern es entsteht in Kollaboration mit Anderen – auch wenn diese Anderen zum Teil bereits vor langer Zeit gelebt und gewirkt haben. Deshalb sind auch viele meiner Arbeiten denen gewidmet, die mich inspirieren, wie zum Beispiel Bertha Pappenheim, Hedy Lamarr, Charlotte Moorman, Emma Goldmann. Ich verorte meine Arbeiten in eine Geschichte von (Kultur-)Produzentinnen, die ich aufgreifen, thematisieren und weiterschreiben will.

© Michaela Melián / VG Bild-Kunst

RT: Johan Simons stellt die Themen „Zukunftsvisionen und Utopien“ in den Fokus seiner letzten Spielzeit. Auch du beschäftigst dich mit Utopien: Deine Ausstellung „Electric Ladyland“ (2016) im Lenbachhaus in München wird als eine Utopie aus Tönen und Bildern in einem Zwischenreich von Mensch und Maschine beschrieben. Was ist für dich eine Utopie?

MM: „Electric Ladyland“ habe ich ganz wörtlich genommen. Der Ausstellungstitel beschreibt für mich eine Landschaft, einen Denk- und Produktionsraum zu Geschlecht, Körper, Begehren, technische Geräte, bei denen die Tasten Rewind-Play-Forward gleichzeitig gedrückt werden können. Oder kurz gesagt: Science Fiction. „Good and evil lay side by side while electric love penetrates the sky.” (Jimi Hendrix auf seinem 1968 veröffentlichten Album „Electric Ladyland“)



Am 11.September gibt Michaela Melián ein Konzerte im Maschinenhaus in der Essener Zeche Carl. Ausführliche Infos zum Konzert gibt es hier.

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