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Bunkernacht x Ritournelle: Ein Abend zwischen Technik, Tanz und Diskussion

22. Mär. 2017

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Diskussion trifft auf Musik und Technik. Am 1. April laden wir gemeinsam mit der innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft zum Themenabend „Ziemlich beste Freunde? Wir und die Roboter im 21. Jahrhundert “ in den Essener Club Goethebunker.

© Sabrina Karakatsanis

Eingeläutet wird der Abend mit einer Gesprächsrunde über das Verhältnis von Mensch und Maschine. Im Fokus stehen die Bereiche Politik, Kunst und Ethik im digitalen Zeitalter. Verschiedene Beiträge der Gäste Rainer Bischoff (KUKA Roboter GmbH),  Martin von Broock (Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik) und Stefan Heumann (Stiftung Neue Verantwortung) geben Denksanstöße zum Thema. Denn eines steht fest: Roboter und Maschinen sind längst Teil unseren Alltags geworden; Technik und Gesellschaft sind immer enger miteinander verknüpft. Verschiedene Beiträge widmen sich den Fragen, ab wann künstliche Intelligenz zur Gefahr wird oder der Mensch aufhört, die Maschinen zu kontrollieren und wie unsere Zukunft in dieser Hinsicht aussehen wird. Als "Special-Guest" lädt der „Drum Robot MR-808 Interactiv“, eine Roboter-Installation, die Gäste zum Programmieren in Echtzeit ein. Präsentiert wird die interaktive Installation vom Soundkollektiv „Sonic Robots“, das einigen Ruhrtriennale-BesucherInnen bereits von der Terry Riley-Nacht der Spielzeit 2015 bekannt ist.

© Marcus Simaitis / Ruhrtriennale 2016
© aboycalledsevendaysisaweekend

Spätestens ab 22 Uhr darf getanzt werden – die Sounds von Ritournelle treffen dann auf hauseigene Bunkernacht-Töne. Neben „Sonic Robots“ bringt der DJ und Produzent „Barnt“ seinen unverwechselbaren Klang aus analogem Synthesizer und motorischem Rhythmus in den Essener Club. Support erhält er außerdem von Ritournelle-Gründer und Ruhrtriennale-Dramaturg Tobias Staab und Bunkernacht-Host Ahmet Sisman.

Programm:
20.00 bis 22.00 Uhr
Vorträge und Gesprächsrunde:


Rainer Bischoff, Head of Corporate Research, KUKA Roboter GmbH.
Martin von Broock, Vorsitzender des Vereinsvorstands und Mitglied des Stiftungsvorstands, Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik
Stefan Heumann, Mitglied des Vorstands, Stiftung Neue Verantwortung


Moderation: Stephan Muschick (innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft) und Tobias Staab (Ruhrtriennale)


22.00 bis 07.00 Uhr
Sonic Robots präsentieren: Drum Robot MR-808 Interactive


23.00 bis 07.00 Uhr
Ritournelle X Bunkernacht feat. Barnt DJ-Set (Kompakt/ Cómeme)

 

Im Vorfeld der Veranstaltung erzählt Rainer Bischoff,  Head of Corporate Research der KUKA Roboter GmbH, einer der weltweit führenden Roboterhersteller, von Robotern im Alltag, technischen Entwicklungen und robotisierten Haushaltshilfen.

Herr Bischoff, als Forschungschef von KUKA wissen Sie bestimmt, wann Roboter endlich unsere Spülmaschinen ausräumen werden...

Davon sind wir leider noch weit entfernt. Das ist nicht nur technisch schwer umsetzbar, auch die Kosten wären aktuell noch viel zu hoch. Was in naher Zukunft aber denkbar ist, sind zum Beispiel Gehhilfen, die zugleich Unterstützung beim Hinsetzen und Aufstehen bieten. Auch an automatisierten Lauftrainern wird gearbeitet: Die fahren selbständig vor Ihnen her, geben die passende Geschwindigkeit vor, messen Ihren Puls und weisen Ihnen den Weg.

Wenn Sie die technischen und finanziellen Mittel hätten: Welchen Roboter hätten Sie gerne?

Auf jeden Fall eine Haushaltshilfe, die für eine immer aufgeräumte und saubere Wohnung sorgt. Aber wie gesagt, das ist noch ein weiter Weg. Vielleicht wird es irgendwann ja Möglichkeiten zum Mieten oder Leasen oder eine Co-Finanzierung durch eine Versicherung geben, damit das auch finanziell realisierbar ist. 

Haben Sie bei sich zuhause schon Roboter?

Nein. Staubsaugerroboter sind mir noch zu ungründlich, das mache ich lieber selbst. Ich kenne aber Hunde- und Katzenbesitzer, die einen solchen Roboter nicht mehr missen möchten, weil sie sonst ständig saugen müssten.

Glauben Sie, dass Freundschaft zwischen Robotern und Menschen funktionieren kann?

Das kann ich mir durchaus vorstellen. In östlichen Kulturen spricht man Dingen ja heute schon vielfach eine Seele zu. Hier in der westlichen Welt ist uns diese Denke traditionell eher fremd. Aber auch hier bauen Menschen zu allen möglichen Geräten oder Maschinen eine emotionale Bindung auf, indem sie ihrem Auto zum Beispiel einen Namen geben oder Siri mehrmals täglich um Hilfe bitten. Ich halte eine Freundschaft zwischen Mensch und Roboter durchaus für realistisch. Es gibt übrigens auch Filme, die den Gedanken thematisieren: z.B. “Robot & Frank”, in dem ein dementer Mann und ein Roboter sich anfreunden und schlussendlich sogar zu zweit auf Diebestour gehen.

Auch eine Verwendung von Robotern…
Im Ernst: Gerade die Filmindustrie ist ein guter Beleg, dass das Zusammenleben beider Spezies uns Menschen seit Jahrzehnten beschäftigt. Blockbuster wie Terminator oder I Robot stellen Roboter allerdings eher als die Bösen da. Als die, die sich die Menschen untertan machen wollen. Können Sie verstehen, dass viele Leute Angst vor der Roboterisierung haben?


Natürlich – allerdings nicht aus diesem Grund. Viele Menschen sorgen sich besonders um ihre Arbeitsplätze. Das müssen sie aber nicht, was auch zahlreiche Studien belegen: Die Automatisierung trägt eher dazu bei, Kapital für Investitionen freizusetzen, die dann wieder neue Arbeitsplätze schaffen. Außerdem entlasten Roboter uns und wirken dem Fachkräftemangel entgegen. Sie nehmen uns Aufgaben ab, die wir nicht machen wollen oder aus gesundheitlichen Gründen nicht machen sollten – wie zum Beispiel Rasen mähen und Schweißarbeiten. Ich war neulich in einer Fabrik eines großen Handyherstellers. Da haben einzelne Mitarbeiter im 15-Sekunden-Rhythmus Einzelteile, die aus der einer Maschine kamen, in die nächste gelegt. Hier wurden Menschen wie Roboter eingesetzt – für repetitive, stupide Aufgaben – wenig sinnvoll!
Roboter können auch helfen, dass uns wieder mehr Zeit bleibt für wichtige Dinge: Wenn beispielsweise in einem Altenheim die Essenstabletts automatisiert abtransportiert oder die Tabletten-Rationen automatisiert richtig abgezählt werden, kann sich das Pflegepersonal wieder mehr um die Menschen kümmern.

Also glauben Sie nicht, dass unsere Welt mal von Robotern dominiert werden wird?

Nein, auf keinen Fall. Allein unsere vielfältigen Wahrnehmungsfähigkeiten auf allen fünf Sinnesebenen, unser kreatives Denkvermögen sowie unsere Fingerfertigkeit sind technisch kaum umsetzbar. Die Eigenschaften, die Robotern heute im Allgemeinen zugeschrieben werden – nicht zuletzt befeuert durch Kinofilme und kontroverse Diskussionen in den Medien – gehören in das Reich der Science Fiction.

Gibt es Dinge, die Roboter vielleicht auch zum Glück nie können werden?

Sag niemals nie…. Viele Wissenschaftler arbeiten daran, Roboter mit immer menschenähnlicheren Fähigkeiten auszustatten. Dabei hilft sicher eine immer weiter steigende Rechenleistung bei geringeren Kosten und Energieverbrauch. Auch die Algorithmen werden immer besser. Mittlerweile gibt es Bildverarbeitungssysteme – zum Beispiel von Microsoft und Google –, die Bilder besser interpretieren als wir Menschen. Aber überall, wo Roboter mit ihrer Umwelt interagieren müssen, sind wir fern von einer menschlichen Leistungsfähigkeit. Doch selbst wenn: Ich glaube nicht, dass sie zu unseren besseren Ebenbildern werden.

Freuen Sie sich eher auf eine robotisierte Zukunft oder sind Sie eher skeptisch?

Ich freue mich, da ich glaube, dass wir dadurch viel mehr Zeit für wichtigere Dinge haben werden. Auch wenn ich ans Älterwerden denke – gerade vor dem Hintergrund des demographischen Wandels –, würde ich mich lieber von einem Roboter unterstützen lassen als von einer fremden Person, um meine Privatsphäre zu schützen. So könnte ich auch mein näheres Umfeld entlasten. Wichtig ist, dass man die Entwicklungen mit Robotern nicht überdramatisiert und faktenbasiert argumentiert.

Das Gespräch führte Timm Rotter.

Wenige Restkarten nach Anmeldung sowie ausführliche Informationen gibt es hier.

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