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The Rest is Noise - Etappe 6 im Schauspielhaus Bochum

14. Apr. 2016

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Christoph Sebastian/Ruhrtriennale

Ein Buch. Sechs Orte und eine Reise durch die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit sechs Theatern der Region lud die Ruhrtriennale über sechs Monate hinweg zu einer besonderen musikalischen Reise, die nicht nur Musikkenner begeisterte.

Vor Beginn des Bochumer Leseabends lädt der Club.Ruhr, der junge Freundeskreis der Ruhrtriennale, zur persönlichen Gesprächsrunde mit Ruhrtriennale-Intendant Johan Simons ein. Rund zwanzig junge Freunde der Ruhrtriennale finden sich im oberen Foyer des Schauspielhauses Bochum ein und hören Intendant Simons zu, wie er über die Entstehungsgeschichte und Durchführung von "The Rest is Noise" spricht.
Zwei Schuhsohlen aneinander reibend, verkündet er schmunzelnd, dass dies auch eine Form von Musik sei.

 

© Club Ruhr

Experimentelle Formen von Musik, darum geht es auch an diesem letzten Abend im Schauspielhaus Bochum. Im Kontrast steht dazu der Zuschauerraum mit seinem 50er Jahre Interior. Wohlig versinkt man in orangefarbenen Sesseln und lauscht dem, was da wohl kommt.

Von einer wilden Klangcollage Carl Oesterhelts eingeleitet, treten die Bochumer Ensemblemitglieder auf die Bühne. Michael Kamp alias Alex Ross erwartet sie dort bereits entspannt im Drehsessel sitzend:

„Der Schlüsselbegriff der musikalischen Avantgarde der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war „Freiheit”. Aber nicht alle fühlten sich frei. Es gab zwar die Freiheit, vorwärts zu schreiten, aber nicht die, zurück zu gehen. Den deutschen Komponisten Hans Werner Henze frustrierte das mehr oder weniger offizielle Verbot tonaler Komposition.“ (Alex Ross)

© Christoph Sebastian/Ruhrtriennale

Hans Werner Henze, verkörpert von Bernd Rademacher, machte alles ein bisschen anders, als die anderen. Komponieren stellte für ihn auch eine Art Trauerarbeit dar. Sein Klavierstück I: In memoriam L.K.A. (1950 – 1952) „At peace under this mandarin, sleep” ist seiner verstorbenen Katze gewidmet. Pianistin Sachiko Hara und Tenor Emilio Pons ziehen die Zuschauer mit ihrer Darbietung in einen berauschenden Bann.

„Rationaler, geradezu wissenschaftlich, war hingegen der Kompositionsansatz von lannis Xenakis (Daniel Stock). „Er strukturierte seine Musik nach akustischen und mathematischen Gesetzmäßigkeiten.“ - mit diesen Worten leitet Alex Ross die Stochastische Musik ein.

© Christoph Sebastian/Ruhrtriennale

Diego Aldonza Crespo bringt mit Xenakis’ Schlagzeug Solo Rebonds a die Bochumer Bühne zum Beben. Xenakis fasst in Worte, was die Zuschauer spüren: „Es klingt wie das Trommeln von Hagelkörnern auf einer harten Oberfläche oder wie Millionen von Zikaden, die in sommerlicher Nacht auf einem Feld zirpen.“

 

© Christoph Sebastian/Ruhrtriennale

Wir sind in der Gegenwart angekommen und tummeln uns zwischen Helmut Lachenmann und Olga Neuwirth.

Kompromisslos nach einer neuen musikalischen Ausdrucksform suchend, so kann man die Arbeit Helmut Lachenmanns beschreiben. Das Ergebnis dieser Suche ist die „musique concrète instrumentale“.

Seine Werke rufen Kritiker, wie Klaus Umbach alias Daniel Stock, Journalist des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL auf den Plan. Wutschnaubend steht er auf der Bühne und gibt seine Quintessenz zum Besten: „An der Staatsoper ist ein Kindergarten eröffnet.“

© Christoph Sebastian/Ruhrtriennale

Olga Neuwirth, verkörpert von Therese Dörr, fasst ihre Erkenntnis hingegen nüchtern zusammen: „Komponieren beruht auf einem Gehirnschaden.“

Thematisch dazu erfüllen psychedelische Klänge die Bühne. Angelika Luz, bekannte Interpretin von Olga Neuwirths’ Werken, zeigt mit dem Klangstück Nova/Minraud auf eindrucksvolle Art und Weise, wie man Musik mit Stimme und Körper ausdrücken kann.

All das war The Rest is Noise: Bebende Säle, Erinnerung an große Utopien und Umbrüche – und schön-schräge Momente inbegriffen. Eine Reise, die zu Ende gegangen ist, aber in unseren Köpfen weiterklingt.

 

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