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Kaffee und Kippah – Ein Probentag von URBAN PRAYERS RUHR

13. Aug. 2016

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Thorben Meißner / Ruhrtriennale

"Was glaubt ihr denn. (...) Warum wir den Kopf bedecken, warum wir den Kopf nicht bedecken, warum wir die Schuhe ausziehen, warum wir die Schuhe nicht ausziehen, warum wir euch bitten, die Schuhe auszuziehen."

Es ist Vormittag, die Juli-Sonne hat sich für den Sommer entschieden, doch in der Turbinenhalle an der Jahrhunderthalle Bochum ist es angenehm kühl. Hier finden die Proben für URBAN PRAYERS RUHR statt. Regie führt Johan Simons, der Intendant der Ruhrtriennale.
Fünf Pulte und fünf Hocker stehen in der Turbinenhalle, mehr nicht.
Mehr braucht es auch nicht, denn bei den Aufführungen werden die sechs gastgebenden Gotteshäuser zur Bühne. Die DITIB-Merkez Moschee in Duisburg-Marxloh, das House of Solution in Mülheim, der Hindu Shankarar Sri Kamadchi Ampal Tempel in Hamm, die Lutherkirche in Dinslaken-Lohberg, die Serbisch-Orthodoxe Kirche in Dortmund-Kley und die Synagoge Bochum – sie werden für jeweils eine Aufführung von URBAN PRAYERS RUHR zum Spielort der Ruhrtriennale.

© Thorben Meißner / Ruhrtriennale

Leseprobe. Simons gibt vor, wie der Text gelesen wird, wie schnell, mit welcher Betonung, und zwischendrin, da gibt er, der Niederländer, schmunzelnd Aussprachetipps. Um ihn herum sitzen die fünf SchauspielerInnen. Sie hören ihm zu, stellen Fragen, diskutieren über den Text. Passagen werden gelesen, die Musik gehört, die bei den Aufführungen ChorWerk Ruhr singen wird, Kaffee wird getrunken, und mittendrin sitzt Johan Simons und lauscht den Stimmen der SchauspielerInnen. Nachmittags werden die verschiedenen Spielorte besucht, zu Führungen, Stadtteilrundgängen und Diskussionsrunden. An diesem Nachmittag ist der Weg nicht weit. Von der Jahrhunderthalle Bochum geht es zu der nur wenige Kilometer entfernten Synagoge Bochum. Im nachmittäglichen Sonnenschein wird erst einmal Kaffee getrunken, denn ein wichtiger Bestandteil des Stadtraumprojektes ist es, mit den Gemeinden in Kontakt zu kommen, sich auszutauschen.

Die verschiedenen Gotteshäuser sind mehr als nur Bühne für die Aufführungen. An den Aufführungsorten wird es Führungen geben, musikalische Beiträge von Gemeindemitgliedern. Es werden Kleinigkeiten zum Verzehr angeboten und in Dinslaken-Lohberg geht es nach der Aufführung, veranstaltet zusammen mit dem christlich-islamischen Dialog, weiter zu einem kleinen Fest auf den Lohberger Markt. Heute allerdings bleibt der Rahmen kleiner.

© Thorben Meißner / Ruhrtriennale

Roman Domnin, Mitglied der Jüdischen Gemeinde und Teil der Jugendabteilung, führt die kleine Gruppe von der Terrasse durch die Eingangshalle in den Saal der Synagoge.
Er redet viel, er redet gerne, und in der folgenden Stunde gibt er den SchauspielerInnen einen Einblick: ins Judentum, in die Geschichte der Synagoge, in Bräuche, in religiöse Feiertage.

Beim Eintritt in den Heiligen Raum erhalten die Männer eine Kippah, und sofort stellt sich die Frage, wie es denn mit den ZuschauerInnen sein wird. Tatsächlich, antwortet Dorothea Neweling, die Dramaturgin der Ruhrtriennale, habe man schon eine größere Anzahl an Kippahs bestellt. Wer keine hat, braucht sich also nicht zu sorgen. Immer wieder kommen solche Fragen auf und ein paar dieser Fragen werden an diesem Nachmittag auch beantwortet.

Ab dem 14. August, bei den sonntäglichen Aufführungen von URBAN PRAYERS RUHR, werden hoffentlich auch die ZuschauerInnen Fragen stellen. Und vielleicht Antworten bekommen.

Thorben Meißner

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