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Seid umschlungen – Fulminanter Auftakt der Ruhrtriennale 2015

18. Aug. 2015

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Copyright: Edi Szekely

Das Auftaktwochenende der Ruhrtriennale vom 14. bis 16. August 2015 hatte es in sich: 3 Tage, 5 Städte, 13 Veranstaltungen, davon zwei Uraufführungen und eine Deutschlandpremiere. Das Programm hielt sowohl für Festivalbesucher als auch für Neugierige etwas parat – von Musiktheater über Tanz oder Schauspiel bis hin zur Festivalnacht Ritournelle – es war etwas für jeden dabei.

Der Auftakt der Ruhrtriennale 2015 begann in der Zentralwerkstatt der ehemaligen Zeche Lohberg mit der ersten Festspielrede in der Geschichte der Ruhrtriennale, gehalten von dem Philosophen und profiliertesten Denker unserer Zeit Byung-Chul Han. Unter dem Titel "Die Zukunft den Arbeitslosen! Sieg oder Niederlage einer Gesellschaft ohne Arbeit" moderierte Bettina Böttinger die Eröffnungsdebatte. Podiumsgäste der Debatte waren u. a. Alix Faßmann, Gründerin „Haus Bartleby, Zentrum für Karriereverweigerung“ oder Garrelt Duin, Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk NRW.

Anschließend begab sich das rund 1200 Gäste umfassende Premierenpublikum auf den Weg von der Zentralwerkstatt in die Kohlenmischhalle, wo die Uraufführung von Accattone stattfand. "Jetzt geht's mir gut." mit diesen Worten endet schließlich Accattone nach rund zweieinhalb Stunden und der Schlussapplaus ertönt. Aufatmen, Freude, Gratulationen. Die Premierenfeier kann beginnen!
 

Szenenbild aus Accattone, Kohlenmischhalle, Zeche Lohberg, Dinslaken © Edi Szekely für die Ruhrtriennale 2015

Am 15. August ging es mit der nächsten Eröffnung weiter – oder besser gesagt mit den nächsten elf. Denn „Ausstellungsstück“, das Schaufensterprojekt bildender Künstler im Rahmen der Campustriennale, wurde eröffnet. Alle 13 beteiligten Künstler sowie Dramaturg Vasco Boenisch fuhren mit Gästen und Journalisten quer durch das Ruhrgebiet, um alle Schaufenster in Bochum, Dinslaken und Duisburg einzuweihen.

© Heike Kandalowski

Auch die Eröffnung zweier weiterer Kunstpositionen wurde am Samstag gefeiert. In Duisburg-Ruhrort wurde die Europapremiere von „Nomanslanding“ gefeiert, das nach einer langen Anreise aus Sydney endlich im ehemaligen Eisenbahnhafen vor Anker ging. Mit Robyn Backen (AUS), Andre Dekker (NL), Nigel Helyer und Jennifer Turpin (beide AUS) waren fast alle beteiligten Künstler extra zur Eröffnung nach Duisburg gekommen, um gemeinsam mit Ruhrtriennale-Intendant Johan Simons, den Kuratoren Katja Aßmann, Künstlerische Leiterin Urbane Künste Ruhr, sowie Lorenzo Mele, Kultur Ruhr-Geschäftsführer Lukas Crepaz und zahlreichen Gästen die Ufer-zu-Ufer-Installation feierlich zu eröffnen.

© Volker Hartmann/Urbane Künste Ruhr

Johan Simons sprach kurz darauf vor hunderten von Gästen und Neugierigen bei der Eröffnung des Kunstdorfs „The Good, the Bad and the Ugly“, dem neuen Herzstück der Ruhrtriennale. Zugegen waren auch Bernd Neuendorf, Staatssekretär im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport sowie der Künstler Joep van Lieshout, der die Installation konzipierte und zusammen mit seinem Rotterdamer Team erschuf. Ebenfalls auf dem Podium war der Geschäftsführer der RWE-Stiftung Dr. Stephan Muschick, der über die dreijährige Kooperation der Stiftung mit der Ruhrtriennale sprach. Neben bereits bekannten Kunstwerken wie „The Heads, Hermann & Claudia“ oder den beiden „Workshops“ erbaute das Atelier Van Lieshout auch einen neue Spielstätte der Ruhrtriennale, das Refektorium, das seit dem 15. August täglich geöffnet ist und viel Programm – und  das zum Großteil kostenlos – bietet.

© Heike Kandalowski

Am Abend folgte Uraufführung auf Deutschlandpremiere. Mit „Sturzflug“ von Studio ORKA zeigt die Ruhrtriennale zum ersten Mal seit 2011 ein Familienstück. An der Emschermündung und unter freiem Himmel erzählt „Sturzflug“ Geschichten rund um Freundschaft, Wahrheit und Lüge. Nicht minder großen Themen wendet sich US-Choreograf Richard Siegal mit seiner Produktion „Model“ zu, die am selbigen Abend im Essener Salzlager auf Zollverein uraufgeführt wurde. Inspiriert von Dantes „Göttlicher Komödie“ untersucht Siegal in „Model“ den menschlichen Körper aus unterschiedlichen Perspektiven. Als Referenzgröße für Identität, als fetischisiertes Objekt ökonomischer Strategien, als Schnittstelle vitaler Energien und als Projektionsfläche für das christliche Konzept der Sünde.

© Christoph Sebastian

Seinen grandiosen Abschluss fand der ereignisreiche Tag mit „Ritournelle“, der ausverkauften ersten Festivalnacht der elektronischen Musik. Ein beeindruckendes Line-up mit Konzerten von HeCTA, The Notwist und Caribou und DJ-Sets von u. a. Roman Flügel oder Rødhåd brachte 3700 PartygängerInnen in und um die Jahrhunderthalle Bochum zum Tanzen und Feiern – bis in die frühen Morgenstunden hinein. 

© Marcus Simaitis
© Edi Szekely

Am Sonntag ging es weiter im Programm. Der Tag begann mit dem ersten von insgesamt fünf Werkstattgesprächen. Bettina Böttinger moderierte am Sonntag das Künstlergespräch mit Intendant Johan Simons und Richard Siegal, die beide über ihren Werdegang, ihre Arbeit und über Höllenfahrten sprachen.

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der „Hommage an Gerard Mortier“, bei der FestivalmacherInnen und Wegbegleiter dem Gründungsintendanten der Ruhrtriennale musikalisch die Ehre erwiesen.

Das Auftaktwochenende der Ruhrtriennale 2015 endete wie es begann: mit Musik von Johann Sebastian Bach. Unter der musikalischen Leitung von Philippe Herreweghe interpretierte das Collegium Vocale Gent die Kantaten, aus denen die Fragmente in „Accattone“ stammen, vollständig. Die Jahrhunderthalle Bochum bildete den idealen Rahmen für Bachs Vokalmusik, in der die Spannung zwischen Materie und Geist im Mittelpunkt steht – zwischen dem irdischen Jammertal und dem himmlischen Paradies.

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