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Seid umschlungen – Festivalwochenende Nummer drei

31. Aug. 2015

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Wonge Bergmann

Am dritten Wochenende boten die Veranstaltungen der Ruhrtriennale Abwechslung für die Hörgewohnheiten, Geschichten aus dem Ruhrgebiet und „viel Tanz“.

Im Frühjahr fand bereits ein Treffen des Geheimbundes zwischen Ruhrtriennale-Dramaturg Jan Vandenhouwe, Dirigent René Jacobs und Videokünstler Julian Rosefeldt statt, bei dem das Großprojekt „Die Schöpfung“ noch in den Kinderschuhen steckte. Nun wurde bereits die dritte Festivalwoche eingeläutet, in der das berühmte Oratorium Joseph Haydns unter Mitwirkung des Collegium Vocale und des B’Rock Orchestra auf die Bühne der Kraftzentrale im Landschaftspark Duisburg-Nord gebracht wurde. Hier konnten die Zuschauer das Resultat der künstlerischen Zusammenarbeit hören und sehen. Nicht nur der zwar Ruhrtriennale-typische, aber für Barockmusik eher ungewöhnliche industrielle Spielort sorgte für ein besonderes Konzerterlebnis: Die bewegten Bilder Rosefeldts, der sich visuell aus der Vogelperspektive einer Drohnenkamera mit der Schöpfungsthematik auseinander gesetzt hat, ließen die Zuschauer ganz in die Welt Haydns eintauchen. Die erfolgreiche Umsetzung der Produktion haben wir der tatkräftigen Unterstützung von Bewohnern des Ruhrgebietes zu verdanken. So wurden einige Filmsequenzen auf der Halde Haniel in Bottrop gedreht, an der über 200 Komparsen beteiligt waren – außerdem hat der Höhepunkt des Konzerts für Überraschung gesorgt, denn plötzlich erhoben sich 110 Menschen zwischen den Zuschauerreihen, allesamt Laien-Chorsänger aus der Region, und sangen aus voller Inbrunst den Schlusschor mit: „Des Herren Ruhm - er bleibt in Ewigkeit – Singt dem Herren alle Stimmen!“ Ein unvergesslicher Ruhrtriennale-Moment, der für Gänsehaut sorgte.

© Julian Rosefeldt

Am Freitagabend wurde die Filminstallation Julian Rosefeldts unter dem neuen Titel In the Land of Drought im Schalthaus Ost im Landschaftspark Duisburg-Nord eröffnet. wo sie noch bis zum Ende der Ruhrtriennale zu sehen sein wird: Täglich von 13-21 Uhr bei freiem Eintritt!

© Julian Rosefeldt

In Essen kamen erneut Tanzbegeisterte voll und ganz auf ihre Kosten. In Kooperation mit den Münchener Kammerspielen und Bloet VZW Brüssel haben die Ruhrtriennale und PACT Zollverein den belgischen Regisseur Jan Decorte mit seiner Produktion Much Dance  ins Ruhrgebiet geholt. Hier wurden alltägliche Themen wie Liebe, Tod, Sehnsucht und Freundschaft in einer schlichten, aber ergreifenden Choreografie behandelt. Mit ironischem Unterton regte die Geschichte von zwei außergewöhnlichen Liebespaaren mal zu einem Lächeln, mal zum Nachdenken an. Wer außerdem bereits Accattone besucht hatte, konnte mit Benny Claessens ein bekanntes Schauspieler-Gesicht der diesjährigen Ruhrtriennale wiederentdecken.

© Danny Willems

An der Jahrhunderthalle fand derweil die musikalische Hommage an die Minimal-Legende Terry Riley anlässlich dessen 80. Geburtstag statt. Der dreigeteilte Abend präsentierte drei ganz unterschiedliche Interpretationen und Weiterführungen von Rileys Arbeit. Im Mittelpunkt stand „In C“, ein minimalistisches Meisterwerk, das von Wiederholung und Differenz geprägt ist. Das Kollektiv Africa Express aus Mali spielte die eingängigen Melodiemotive gemeinsam mit dem Dirigenten André de Ridder und weiteren namhaften Musikern wie Olugbenga Adelekan (Metronomy) oder Jeff Wootton (Gorillaz) auf typischen afrikanischen Instrumenten wie dem Balafon oder der Kora. Zeitweilig war es dabei schwierig, sich auf dem Stuhle zu halten – denn die rhythmisch aufgeladene Stimmung und die Tanzeinlagen von Sängerin Mamani Keita lud zum Mitmachen ein.

© Marcus Simaitis

Im zweiten Teil wurde es experimentell: Mit „Cycles I“ zeigte der 23-jährige Waliser Lewis Roberts aka koreless, welch großen musikalischen Einfluss Terry Riley auf die zeitgenössische Popmusik hat. Gemeinsam mit dem Streicher-Ensemble s t a r g a z e, das bekannt ist für außergewöhnliche musikalische Darbietungen, entstand ein spannendes Wechselspiel zwischen Klang und Licht. Zum Abschluss mit Tyondai Braxton und Mouse on Mars feat. Sonic Robots wurde „In C“ als abstrakte Version gespielt – dennoch konnte man zwischen den Roboterklängen und Soundloops das unverkennbare Motiv Rileys heraushören.

© Edi Szekely

Auch im Refektorium war wieder viel los! Am Freitagabend wurde gespielt: Mit Texten und Musik erzählten die Beckmann-Spielkinder Maja, Lina, Nils und Till Geschichten aus dem Ruhrgebiet. Damit haben sie in der Lieshout-Scheune für einen geselligen Leseabend gesorgt, der dem Schriftsteller Ralf Rothmann gewidmet war. Am Samstag nach der großen Terry-Riley-Nacht wurde zu den psychedelischen Klängen des Leipziger DJ Esclé getanzt. Der harte Kern, der bis nach 1 Uhr durchgehalten hat, wurde reichlich belohnt, denn Olugbenga Adelekan (Africa Express/Metronomy) legte noch ein spontanes DJ-Set obendrauf. Am Sonntagvormittag gab es dann das dritte Werkstattgespräch, in dem Joep van Lieshout (live) und Julian Rosefeldt (per Konferenzschaltung) über ihre künstlerische Arbeit sprachen und für Rede und Antwort bereit standen.

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