Skip to main content

The Rest is Noise - Etappe 4 im Theater Oberhausen

05. Feb. 2016

Title image

Christoph Sebastian/Ruhrtriennale

„Guten Abend meine sehr verehrten Damen und Herren. Mein Name ist Alex Ross, Musikkritiker des New Yorker.“ – so beginnt auch die vierte Etappe von „The Rest is Noise“, an diesem Abend im Theater Oberhausen. Einige Gesichter im Publikum kennt man bereits von den Leseabenden in Essen, Dortmund oder Moers. Dafür sieht man auf der Bühne neue Gesichter. Die Schauspieler des Oberhausener Ensembles, allen voran Susanne Burkhard als Alex Ross, verkörpert Olivier Messiaen, Pierre Boulez, Arnold Schönberg oder John Cage.
 

© Christoph Sebastian/Ruhrtriennale

„Arena der Avantgarde“ ist in Großbuchstaben über der Bühne zu lesen. Im Mittelpunkt des ersten Teils steht der Komponist Olivier Messiaen mit seinem revolutionären Stück „Quatuor pour la fin du temps“, das 1941 im Kriegsgefangenenlager Stalag VIII A bei Görlitz uraufgeführt wurde.

Ich begann sieben Sätze für das ungewöhnliche Instrumentalensemble Klarinette, Violine, Cello und Klavier zu komponieren – das waren die Instrumente, die ich und meine Mitgefangenen spielten.“
(Olivier Messiaen)

Die außergewöhnlichen Umstände unter denen das Stück entstand, zeigen sich auch im Publikum der Uraufführung: Mehrere hundert Gefangene unterschiedlichster Nationalitäten treffen im provisorischen Konzertsaal des Lagers auf deutschen Offiziere. In der klirrenden Kälte Sibiriens hören sie gemeinsam Messiaens Konzert.

© Christoph Sebastian/Ruhrtriennale

Die Erfahrungen Messiaens während des Krieges verändern sein musikalisches Schaffen radikal. Waren seine Kompositionen zuvor von einem stark rhythmischen Konzept beeinflusst, so schwor er nun einem gleichmäßigen Takt und dem unveränderlichen Metrum ab – so erfahren wir von Alex Ross, der lässig am Bühnenrand sitzt. „Ein gleichmäßiger Takt hat kein Leben; während des Krieges hat es mehr als genug Links-Zwo-Drei-Vier gegeben“, pflichtet ihm Messiaen (Torsten Bauer) bei.

Als die Bochumer Symphoniker mit der Musik Messiaens einsetzen, verdeutlicht sich umso mehr, was mit ‘Musik für das Ende der Zeit’ gemeint ist. Bewegt und nachdenklich zugleich verlässt das Publikum in der Pause den Zuschauerraum.

© Christoph Sebastian/Ruhrtriennale

Unter dem Titel „Radikale Rekonstruktion“ geht es im zweiten Teil des Abends mit John Cage weiter. Auf der Bühne ist ein Gespräch zwischen Arnold Schoenberg (Anna Polke) und John Cage (Anja Schweitzer) zu verfolgen:

Arnold Schoenberg: „John, Sie haben kein Gefühl für Harmonie. Es wird unmöglich für Sie sein, Musik zu schreiben. Sie werden auf eine Wand stoßen, durch die Sie nie brechen werden.“

John Cage: „Na dann, dann werde ich mit meinem Kopf gegen die Wand hämmern. Und nicht nur auf die Wand. Ich werde eine Musik von Geräuschen entwickeln.“

© Christoph Sebastian/Ruhrtriennale

Vom Zuschauerraum aus erklärt Alex Ross: „Cage war [1949] bereits der radikalste amerikanische Komponist seiner Zeit und sollte in naher Zukunft einige der befremdlichsten Ereignisse (und Nichtereignisse) der Musikgeschichte in Szene setzen: Tonband- und Radiocollagen, mit dem Würfel komponierte Werke, multimediale Happenings…“.

Der mit Abstand heiterste Teil des Abends wird mit einem Video der amerikanischen TV-Show „I´ve got a secret“ aus den 60er- Jahren eingeläutet. Zu sehen ist John Cages berühmter Auftritt mit seiner Komposition „Water Walk“. Ob Blumenstrauß, Angel, Eis-Mixer oder Badewanne, jedes Gerät trägt mit seinem individuellen Klang zur Komposition bei. Ringsum sieht man schmunzelnde und lachende Gesichter – zu komisch ist Cages musikalische Darbietung, wenngleich durchaus ernstgemeint.

„Cage ist der verrückteste Kombinationsgeist, der mir begegnet ist…“
(Karlheinz Stockhausen)

Mit Cages Percussion Werk „Three“ zeigen die Bochumer Symphoniker die Intensität und Originalität des Avantgardisten. Unterhaltsam geht auch der abwechslungsreiche zweite Teil des Abends im Theater Oberhausen zu Ende.



Die Lesereise geht mit Etappe 5 im Theater an der Ruhr in Mülheim am 17. März u.a. mit Luigi Nono und György Ligeti weiter.

Tickets