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Peripherie. Macht. Kulturpolitik. - Ein Tagungsbericht aus Wien

21. Mai. 2015

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Peter Kainz

Cathrin Rose arbeitet seit 2002 im Bereich Kulturvermittlung bei der Ruhrtriennale. Sie hat mit allen Intendanten der Ruhrtriennale zusammengearbeitet. An dieser Stelle gewährt Sie uns einen Einblick in ihre Arbeit…

© Peter Kainz

Vom 22. bis 23. April war ich in Wien auf einer Tagung zum Thema „Peripherie. Macht. Kulturpolitik“, ausgetragen von der Universität für angewandte Kunst Wien und EDUCULT, einem Institut, das zur kulturellen Bildung forscht.

Ich habe mich in meinem Vortrag mit dem Thema „Soziale Peripherie“ beschäftigt, die dank der Children’s Choice Awards bei der Ruhrtriennale 2011-2014 Einzug erhalten hat. Die anderen Teilnehmer, zum Beispiel Monika Tsiliberdi vom Kulturministerium aus Griechenland, die Kulturpolitik-Wissenschaftlerin Malaika Toyo aus Nigeria, Piet Forger, Kulturpolitiker aus Löwen in Belgien, berichteten von den Erfahrungen und Schwerpunkten ihrer Arbeiten.

Von 9 Uhr morgens bis 20 Uhr am Abend wurde vorgetragen, diskutiert und geredet.

Am bemerkenswertesten für mich waren die Berichte der Jugendlichen von Krétakör aus Ungarn. Eine Free School, gegründet vom großen Theatermacher Árpád Schilling, die Jugendliche aus Budapest einlädt, sich mit sozialen Themen auseinanderzusetzen und einen Weg zu finden, sie in der Gesellschaft auf künstlerische Art zu thematisieren. Mitkas, 17 Jahre, begann seinen Vortrag aufgeregt und eindrücklich: Er habe es leid, zu hören, dass sie, die Jugendlichen, die Zukunft seien. Er ist die Gegenwart und er hat etwas zu sagen.

© Peter Kainz

Er berichtete zum Beispiel von einem Projekt mit Obdachlosen in Budapest. In Ungarn ist es illegal obdachlos zu sein und um gegen dieses zynische Gesetz zu protestieren, plakatierten die Jugendlichen von Kretakör Fotografien der Obdachlosen in der ganzen Stadt. So bekamen sie ein Gesicht und eine Stimme.

Die intensivste Begegnung hatte ich jedoch am letzten Tag mit Malaika Toyo aus Nigeria. Malaika ist mit einem großen Gefühl des Erstaunens aus Wien abgereist: Sie war sich so sicher, dass sie die Peripherie in unserer Runde am deutlichsten repräsentiert. Schließlich kommt sie aus Nigeria, einem Land, in dem es keine Kulturpolitik gibt, wo das Kulturbudget auf die unterschiedlichsten Ministerien verteilt ist und es vom Zufall, Glück und den Beziehungen abhängt, ob man als Künstler überlebt.

Doch dann hört sie von der Kulturpolitik Griechenlands, in der in Krisenzeiten nur Geld da ist zum Erhalt der historischen Kulturstätten, aber nichts mehr zur Entwicklung der zeitgenössischen Kunst; oder aus Ungarn, wo kritische Kulturinstitutionen keine Gelder mehr bekommen, sondern Besuch der Steuerfahndung. Aus Kasachstan, dessen Kulturpolitik so restriktiv und eingreifend ist, dass ein riesiges Nationalmuseum geschaffen wird, welches nur gefüllt werden kann, indem die Provinzmuseen geplündert werden.

© Peter Kainz

In meiner Tasche die Visitenkarten so vieler neuer spannender Menschen und mein Kopf gefüllt von Ideen und Erkenntnissen, bin ich einmal mehr nur dankbar, dass ich im Kulturbereich arbeite. Wegen der Kollegen und Mitstreiter, wegen der Themen und Aufgaben. Wegen der Vielfalt und natürlich wegen der Kunst!

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