Skip to main content

Ein Stück, ein Satz – Liebe. Trilogie meiner Familie I

07. Sep. 2015

Title image

Ruhrtriennale

Das sagt Clotilde am Anfang des Stückes „Liebe. Trilogie meiner Familie I“, Luk Percevals Bearbeitung von Émile Zolas 20-bändigem Romanzyklus „Die Rougon-Macquart“. Clotilde, gespielt von Marie Jung, ist die Nichte von Doktor Pascal, der von Stephan Bissmeier verkörpert wird. Marie und Stephan sind zwei Schauspieler aus meinem ehemaligen Ensemble an den Münchner Kammerspielen, die jetzt vom Süden in den Norden Deutschlands umgezogen sind. Jetzt sind sie Ensemblemitglieder des Thalia Theaters Hamburg mit dem Luk Perceval seine Zola-Trilogie inszeniert.

Ich weiß, dass die Suche nach Sinngebung  im Theater wie im Leben ein wichtiges Thema für Luk ist. Ursprünglich ein Katholik, hat er sich dem Buddhismus zugewandt. Alles wird gedacht im Rahmen des Karmas. Der Buddhismus glaubt nicht an Erlösung im Himmel oder Verdammnis in der Hölle, sondern an die Befreiung vom Leiden während des Lebens. Ein Hauptziel ist es, keine negativen Spuren zu hinterlassen, sondern sich zu fragen, wie man eine positive Wirkung entfalten kann.

Ich selbst bin zwar ziemlich liberal, jedoch ich in einem sehr strengen protestantischen Umfeld aufgewachsen. Die flämischen Katholiken sind viel näher am Buddhismus als die niederländischen Protestanten. Bei den Protestanten muss alles über den Kopf gehen. Im Katholizismus ist man an Rituale gewohnt, der Protestantismus glaubt an das Wort. Die Bibel sagt: „Am Anfang war das Wort.“ Das wurde uns als Kind vorgebetet. Das ist belastend; das wird man nie los.

Als Kind habe ich sehr an Gott geglaubt. Bis ich dreizehn war, wollte ich Missionar werden. Als ich acht Jahre alt war, schrieb ich schon lange Predigten, die ich auf dem Dach einer Scheune? eines Hauses? für Fußgänger in unserem Dorf gesprochen habe. Heutzutage bin ich vielleicht noch immer eine Art Missionar – eben ein Missionar der Kunst. Ich rede gern über die Bedeutung von Kunst in unserer Gesellschaft. Aber an Gott glaube ich schon lange nicht mehr. Das verlorene Paradies – das ist ein Thema unseres Festivals, und auch ein Thema in „Liebe“. Die große Strafe Gottes ist, dass er nicht existiert …

Johan Simons

Tickets