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Do Not Fear the Dark Side - Bianca Casady and The C.i.A im Refektorium

21. Aug. 2015

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Bianca Casady

Willkommen im Rektum. Naja, nicht ganz. Die Kunstinstallation The Good, the Bad and the Ugly des Rotterdamer Atelier van Lieshout verräumlicht das Verworfene, das Ausgeschlossene, das Nichtgerngesehene, Monströse – und ja, am Eintrittsort in dieses Alice-im-Wunderland befindet sich ein überdimensional großer Enddarmausgang. Was für ein passendes Setting für das Konzert von Bianca Casady an diesem Wochenende. Der Künstlerin, die von sich selbst im Interview mit Kampnagel sagt:

”I often played the dark side of CocoRosie. And now I don’t have to worry about being too dark, too scary, too weird.“
 

Wir können uns also auf einen dunklen Abend gefasst machen.
Bianca Casady, im sonnigen Hawaii geboren, die Mutter reisende Künstlerin und der Vater schamanischer Prediger, eroberte zusammen mit ihrer Schwester Sierra als CocoRosie bereits eine breite Fanbase. Robert Wilson wusste den fairy tale folk hop chanson (Dazed and Confused Magazine) der Schwestern so sehr zu schätzen, dass sie gemeinsam bisher zwei Theaterprojekte in die Welt setzten. Dazu gründete Casady mit Militia Shimkovitz in Brooklyn ein Label mit dem klangvollen Namen Voodoo Eros Records, ist als bildende Künstlerin auch für ihr eigenes Graphik- und Coverdesign zuständig und gibt zusammen mit Anne Sherwood Pundyk das feministische Magazin Girls Against God heraus.

Nun hat sie in Portugal auf einem verstimmten Piano, untermalt vom Tastenrauschen etlicher Schreibmaschinen, ihr erstes Soloalbum produziert, das diesen Herbst erscheint. Zusammen mit dem Kollektiv The C.i.A., bestehend aus dem Tänzer und Choreographen Biño Sauitzvy und einer Live-Band habe sie zufällig, sagt sie, das Theatrale als den potenziell grenzenlosen Rahmen für sich entdeckt, um über die Musik hinaus Elemente von Lyrik, Konzert, Tanz und Videokunst gleichberechtigt in ihre Performances zu integrieren. Das vorläufige Resultat dieses Prozesses: Körnige Schwarzweißbildwelten, Ikonen, Clowns- und Teufelsmasken. Ein halbnackt torkelnder Balanceakt auf einem auf den Boden aufgemaltem Seil, auf der Grenze zwischen surrealen Märchengestalten, melancholisch verspielten Popklängen [für Tobias, Anm d. Red.] und Horrorvisionen. Ein bizarres porno thietor (so der Titel des aktuellen Videos von Casady & The C.i.A.), aus dessen Kulissen eine überraschend verletzliche Mädchenstimme klingt: “I am not daddy’s girl and I’ll never be.“

Zuletzt waren Casady and the C.i.A auf dem Sommerfestival auf Kampnagel und bei David Byrnes Meltdown Festival in London zu sehen, Ende August werden sie bei PopKultur Berlin im Berghain spielen – und an diesem Wochenende im Refektorium des The Good, the Bad and the Ugly, in Sichtnähe zu oben genanntem Rektum. Mit Hans Nieswandt, der von der Bochumer Hoodoo-Gang eingeladen wurde, setzt sich der dunkle Abend dann fort in eine lange Nacht. Sinnvoll verbrachte Zeit also!

Wir werden dort sein, kommt doch auch.

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