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10 Fragen an: Joep van Lieshout

05. Mär. 2015

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Copyright: Atelier Van Lieshout

Joep van Lieshout: Enfant Terrible, Visionär, Bildhauer, Unternehmer. 1995 gründete er Atelier Van Lieshout, ein interdisziplinär arbeitendes Künstler-Studio in Rotterdam. Die oft provokativen Arbeiten bewegen sich an der Grenze von Kunst, Architektur und Design. Ausgezeichnet mit zahlreichen renommierten Preisen, darunter der Prix de Rome und der Kurt Schwitters-Preis, setzt sich das Atelier Van Lieshout mit Themen wie Selbstbestimmung, Macht, Autarkie, Anarchie, Politik oder Sex auseinander. Im Sommer 2015 wird das Atelier Van Lieshout mit seiner Installation den Vorplatz der Jahrhunderthalle Bochum in ein Festivaldorf verwandeln. Grund genug für uns, dem Gründer des Ateliers, Joep van Lieshout, ein paar Fragen zu stellen.


Ruhrtriennale: Wie und in welchem Alter haben Sie herausgefunden, dass Sie ein Künstler werden wollen?
Joep van Lieshout: Den Entschluss, ein Künstler zu werden, habe ich mit elf Jahren gefasst. Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf und habe mich nie wirklich zugehörig gefühlt. Ich war eher ein Außenseiter und habe mich für Kunst, Experimente und die Wissenschaft interessiert – ganz anders als meine Schulkameraden.

RT: Haben Sie je an Ihrer Entscheidung, Künstler zu werden, gezweifelt?
JVL: Als ich sechzehn war, habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, Wissenschaftler statt Künstler zu werden. Ich hatte vor, zur Universität zu gehen und Physik zu studieren. Mein Physiklehrer, der auch etwas von einem Künstler hatte, überzeugte mich aber davon, meinem wirklichen Traum nachzugehen und Kunst zu studieren. Er sagte: „Wenn du Wissenschaftler werden willst, dann musst du sehr viel und sehr lang studieren – und läufst dennoch Gefahr, letztendlich nur Lehrer zu werden, so wie ich. Doch wenn du Kunst studierst, dann wirst du zum Künstler und es immer bleiben.“

RT: Wie würde Ihr bester Freund Sie beschreiben?
JVL: Instinktsicher, leidenschaftlich und machthungrig.

© Atelier Van Lieshout

RT: Was inspiriert Sie?
JVL: Mich inspirieren verschiedenste Dinge, angefangen von großen Industrieanlagen bis hin zu kleinen romanischen Kirchen, von simplen Werkzeugen bis hin zu den Schriften von Niccolò Macchiavelli.

RT: Wie sieht ein Tag im Leben von Joep van Lieshout aus?
JVL: Etwas getrieben von Verpflichtungen und Terminen, versuche ich so viel Zeit wie möglich in meinem Atelier zu verbringen und neue Kunst zu erschaffen.

RT: Wie sieht Ihr Arbeitsprozess aus?
JVL: Im Allgemeinen beginnt alles mit Entwürfen. Ich mache sehr viele Entwürfe, um die vielen Ideen in meinem Kopf zu sortieren. Einige der Entwürfe werden zur Basis tatsächlicher Kunstwerke, andere bleiben einfach im Entwurfsstadium. Dann fange ich an, an den Teilen einer Skulptur zu arbeiten und gebe meinem Team Anweisungen bezüglich der Details und der Vollendung. Ich arbeite immer sehr intuitiv, daher ist der Entwurf auch Inspirationsquelle und kein finales Design, das 1:1 kopiert wird. Ich mache auch gern währenddessen Änderungen, da man erst im kreativen Entstehungsprozess einer dreidimensionalen Arbeit erkennt, ob die Proportionen stimmig sind.

© Atelier Van Lieshout

RT: Die Installation The Good, the Bad and the Ugly wird den Vorplatz der Jahrhunderthalle Bochum in das Festivalzentrum  verwandeln. Wie sah der Entstehungsprozess für die Installation aus, und hat die Geschichte des Ortes/der Halle eine Rolle gespielt?
JVL: Der Standort hat definitiv einen Einfluss auf die Installation gehabt, da sein industrieller Charakter eine starke Verbindung zu meiner Arbeit hat, in dem Themen wie Industrialisierung, Autarkie und die Rolle des Menschen in einem größeren wirtschaftlichen Kontext immer wiederkehren. Auch das Motiv der Ruhrtriennale „Seid Umschlungen“ findet sich in der Installation The Good, the Bad and the Ugly, die sich auf ethische Themen und Fragen konzentriert.

 

RT: Die Installation wird für drei Jahre Teil des Festivals sein. Was glauben Sie, wie sie in drei Jahren aussehen wird? Wie könnte sich die Installation verändern oder entwickeln?
JVL:Sofern möglich, würde ich die Kunstwerke gern jedes Jahr verändern, indem wir manche Arbeiten mit neuen oder anderen austauschen. So kann die Installation sich weiterentwickeln und eine Auseinandersetzung mit neuen Themen ermöglichen.

 

 

RT: Haben Sie vor, in einer der Datschen während des Festivals zu übernachten?
JVL: Ja, das habe ich – ich hoffe, dass der Domesticator irgendwann mal frei sein wird. ;-)

 

 

RT: Was ist für Sie eigentlich der schönste Moment des Tages?
JVL: Das Abendessen vorzubereiten, insbesondere für Gäste.

 

 

 

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