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10 Fragen an: Ahmet Sisman

30. Mär. 2015

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Copyright: Sabrina Karakatsanis

Ahmet Sisman ist Booker, Promoter, Produzent, Resident DJ und musikalischer Kurator des Essener Goethebunkers. Geboren und aufgewachsen in Istanbul, kam er mit 18 Jahren nach Deutschland. Schon als Teenager entwickelte er eine Leidenschaft für elektronische Musik, die er zu seinem Beruf gemacht hat. Seine erste EP “Hiyan“ hat er 2008 auf dem französischen Label Lessizmore veröffentlicht und weitere folgten auf bekannten Labels wie Cocoon Records, Get Physical und Culprit. Als feste Größe in der lokalen Clubszene programmiert Sisman den Goethebunker Floor bei Ritournelle, der Festivalnacht der elektronischen Musik bei der diesjährigen Ruhrtriennale. Wir haben Ahmet Sisman ein paar Fragen gestellt.

Ruhrtriennale: Wann hast du entdeckt, dass du Musik zu deinem Beruf machen möchtest?
Ahmet Sisman: So einen richtigen Zeitpunkt gab es dafür nicht. Aber ich war schon immer sehr bestrebt, von meiner Leidenschaft leben zu können. Als selbständiger Künstler, Booker, Promoter oder als was auch immer seine Rechnungen zu bezahlen, ist nicht einfach. Und wenn man ehrlich sein will: Man hat es manchmal gar nicht selber in der Hand, ob man letztendlich davon seine Rechnungen zahlen kann oder nicht. Es spielen so viele Faktoren mit, die man gar nicht beeinflussen kann. Man muss sich ständig selbst auf Trab halten. Da ist die Grundeinstellung enorm wichtig, dass man bereit ist gewisse Risiken einzugehen und komplett gegen den Strom der Gesellschaft zu leben.

© Sabrina Karakatsanis

RT: Wie bist du zum Auflegen gekommen?
AS: Als Teenager habe ich mit dem Clubben/Raven angefangen und war von der magischen Anziehungskraft des DJs und der Ästhetik der Plattenspieler sehr beeindruckt. Dann dachte ich mir irgendwann: Das bekomme ich genauso gut wenn nicht sogar besser hin. Das Auflegen und Partys organisieren reichte mir irgendwann nicht mehr und ich wollte tiefer in die Materie gehen. 2007 habe ich dann meine ersten Schritte als Produzent gemacht und seitdem hat alles seinen Lauf genommen.

RT: Hattest du jemals Zweifel, ob du die richtige Entscheidung getroffen hast?
AS: Man hat immer ab und zu Zweifel und es läuft auch nicht immer alles so rund, wie man es sich vorstellt. Aber davon lasse ich mich nicht abschrecken und eine andere Berufswahl kann ich mir zurzeit auch gar nicht vorstellen. Man muss halt immer am Ball bleiben und sich von kleinen Niederlagen nicht unterkriegen lassen.

RT: Wie würde dein bester Freund dich beschreiben?
AS: Ich bin kein Besserwisser, ich weiß es halt nur tatsächlich besser. Das würden sicherlich sehr viele Leute über mich sagen.

RT: Woher holst du die Inspiration für deine Musik und Events?
AS: Das klingt jetzt sehr klischeehaft, aber ich würde sagen vom alltäglichen Leben, von dem, was ich so alles erlebe und mitbekomme. Grundsätzlich hinterfrage ich vieles im Leben und mache mir manchmal zu viele Gedanken. Ich glaube aber, dass genau diese Einstellung etwas Rebellisches in mir auslöst, das gewisse Normen und Konventionen hinterfragt. Es baut sich ein gewisser Frust auf, weil ich mich manchmal von diesen gesellschaftlichen Erwartungen erdrückt fühle. Und dieses Gefühl muss ich irgendwie kompensieren. Eigentlich tun wir das alle und jeder hat seine eigene Art damit umzugehen. Die Musik hilft mir enorm. Ohne sie wäre ich bestimmt ein sehr unglücklicher und aggressiver Mensch.

© Sabrina Karakatsanis

RT: Worauf bist du stolz?
AS: Dass ich nach gewissen Idealen und Prinzipien leben kann, ohne dafür schmerzhafte Kompromisse eingehen zu müssen.

RT: Welche Musiker/DJs gehören zu deinen Favoriten und warum?
AS: Also eigentlich gehören alle Künstler, die schon mal auf einer Bunkernacht oder den Goethebunker-Partys gespielt haben zu meinen Favoriten. Ich lade nur Acts ein, deren Musik ich selber spiele und über die Jahre verfolge. Zurzeit finde ich die aktuellen Alben von Lake People, Levon Vincent, Tin Man, Theo Parrish, The Acid oder Andy Stott großartig.

RT: Was ist die beste Zeit des Tages?
AS: Wenn ich zu Hause koche oder im Studio Musik mache. Die Zeit ist dabei völlig irrelevant :)

RT: Was ist dein Tipp, um lange Nächten durchzustehen? 
AS: Klug feiern und irgendwann auf Wasser bzw. nicht-alkoholische Getränke umsteigen. Mein Kopf und Körper sind am nächsten Tag sehr dankbar dafür.

© Sabrina Karakatsanis

RT: Du + Ritournelle: Was erwartest du von der Festivalnacht der elektronischen Musik?
AS: Als der Ruhrtriennale-Dramaturg Tobias Staab mit dem Konzept auf mich zukam, war ich sofort davon überzeugt. Dabei sollte man eins nicht vergessen: Der Mainstream hat sich schon immer an subkulturellen Trends orientiert. Insbesondere die Clubkultur war schon seit Jahrzehnten der Vorreiter für Musiktrends. Man kann dies immer in drei bis vier Jahreszyklen beobachten, wenn neue Popsongs sich in ihrer Grundidee am Underground-Sound bedienen. Aber worum es mir wirklich geht: Die elektronische Tanzmusik hat großes Potenzial. Das zeigt nicht nur die Stadt Berlin, sondern auch sehr gut organisierte Festivals weltweit. Und so etwas fehlt im Ruhrgebiet. Das Potenzial ist da, nur braucht es jemanden, der es wagt, so etwas auf die Beine zu stellen. Ich hoffe, dass Ritournelle ein Vorreiter für gute Festivals mit viel Herzblut und Substanz werden kann. Das Line-up, die Location und das ganze Drumherum können sich wirklich sehen lassen!

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