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Aufruf: Campustriennale Exhibition 2016

28. Jan. 2016

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Die Ruhrtriennale, das Festival der Künste in der Metropole Ruhr, fördert im Jahr 2016 junge FotokünstlerInnen. Die renommierten Fotografen Daniel Josefsohn und Julian Röder werden im Rahmen des Nachwuchsprogramms Campustriennale Exhibition einen mehrwöchigen Fotografie-Meisterkurs im Ruhrgebiet geben.

Vier junge FotografInnen erhalten die einmalige Gelegenheit, von zwei der wichtigsten zeitgenössischen Fotografen zu lernen. Unter deren Anleitung werden sie neue eigene Werke realisieren und ihre Formsprache weiterentwickeln. Die im Rahmen des Projekts entstehenden Fotografien werden während der Ruhrtriennale 2016 öffentlich im Internet und in den Spielstätten präsentiert, und es erscheint ein Katalog, der die Fotoarbeiten dokumentiert.

Der Fotografie-Meisterkurs wird vom 05. bis 23. Juni 2016 in Bochum stattfinden. Die Fotografien sollen im Ruhrgebiet entstehen und sich visuell mit der Region auseinandersetzen. Gefragt ist ein eigener Blick auf die urbane und dezentrale Realität. Dabei kann sowohl mit Inszenierung als auch dokumentarisch gearbeitet werden. Die Titel der beiden Meisterkurse geben einen thematischen und konzeptionellen Rahmen vor, lassen den TeilnehmerInnen aber auch viel Freiraum zur Entfaltung ihrer künstlerischen Ideen.

Wescam Operator Southern France (2013) © Julian Röder

Der Meisterkurs unter Leitung von Daniel Josefsohn trägt den Titel: „BUDE BETT BARGELD“. Dazu sagt Daniel Josefsohn: „Wo du lebst, wo du liebst, wofür du dein Geld ausgibst – die Assoziationsmöglichkeiten sind offen. Auf jeden Fall wünsche ich mir Fotostrecken mit einer starken formalen, gern auch grafischen Leitidee. Außerdem sollte der Anspruch sein, dass die Bilder so prägnant sind, dass man sie als Fotoserie an ein Magazin verkaufen könnte.“ Julian Röders Meisterkurs heißt: „Licht unserer Tage“. Julian Röder: „Wenn man Licht auch als Metapher denkt, sehe ich die Möglichkeit, in den Fotoarbeiten Bezüge vom Gestern und heute im Ruhrgebiet herzustellen. Was wurde aus dem Licht, das einst die Grubenlampe auf schwerste körperliche Arbeit scheinen ließ? Wo scheint es heute? Leuchtet es nun vielleicht – spektral aufs Nötigste reduziert – aus der Neonröhre des Logistik-Versandzentrums? Scheint Licht auf alle, oder muss man dafür zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein? Was wird hell beleuchtet und bleibt doch unsichtbar? Was lag im Verborgenen und wird nun ans Licht gezerrt?“

Die jungen FotografInnen nehmen an beiden Meisterkursen nacheinander teil. Jeder Meisterkurs dauert rund eine Woche. In dieser Zeit werden die Konzepte weiterentwickelt und umgesetzt, die die TeilnehmerInnen vorab eingereicht haben. Außerdem bieten die Meisterkurse Gelegenheit zum kreativen Austausch, intensiven professionellen Training und zur Entwicklung neuer fotografischer Ideen.

Die Teilnahme am Fotografie-Meisterkurs ist kostenlos. Bewerben können sich junge FotografInnen aus aller Welt, die am Anfang ihres Berufslebens stehen. Die FotografInnen arbeiten während des Meisterkurses mit ihrem eigenen Equipment.

Wichsvorlage (The Gay Rodeo Finals Tulsa, Oklahoma) (2004) © Daniel Josefsohn

Für die Dauer des Meisterkurses stellt die Ruhrtriennale den TeilnehmerInnen eine Unterkunft im Hotel (Übernachtung/Frühstück), eine anteilige Reisekostenerstattung (einmalig bis 100 Euro pro Person), Tagespauschalen für Verpflegung (24 Euro pro Tag pro Person; An- und Abreisetag halb 12 Euro; sollte eine unentgeltliche Verpflegung zur Verfügung gestellt werden, z. B. Frühstück, werden 4,80 Euro abgezogen) sowie die Erstattung einer Zeitfahrkarte für den öffentlichen Personennahverkehr im Festivalgebiet. Dazu erhält jede Person ein Taschengeld in Höhe von 500 Euro. – Außerdem lädt die Ruhrtriennale die TeilnehmerInnen zur Eröffnung des Festivals und der öffentlichen Präsentation der Campustriennale Exhibition am 12./13.08.2016 ein (2 Nächte Hotel/Frühstück, Fahrtkosten innerhalb Deutschlands oder bis zu 200 Euro, Freikarten für Festivalaufführungen).

In Zusammenarbeit mit der Allianz Kulturstiftung.

Weitere Informationen (Q&A):

Können sich auch Laien-Fotografen bewerben?
Nein, die Campustriennale Exhibition 2016 richtet sich an professionelle FotografInnen, die am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn stehen.

Gibt es eine Altersbeschränkung?
Nein, aber die Campustriennale Exhibition richtet sich an NachwuchsfotografInnen. Personen, die seit mehr als fünf Jahren professionell in diesem Beruf arbeiten, gelten nicht als Nachwuchs.

Welche inhaltlichen Anforderungen gibt es?
Die teilnehmenden FotografInnen sollen in der Lage sein, mit professioneller Beratung eigenständig Fotoprojekte im Ruhrgebiet zu realisieren. Dazu zählt auch die selbstständige Planung, Vorbereitung und Organisation der Fotoarbeiten vor Ort.

Welche Konzepte werden in der Bewerbung erwartet?
Die Konzepte sollen sich visuell/konzeptionell mit dem Ruhrgebiet auseinandersetzen. Erwartet werden mindestens zwei Konzeptvorschläge: jeweils mindestens einer für den Kurs von Daniel Josefsohn und mindestens einer für den Kurs von Julian Röder. Die Konzepte sollten berücksichtigen, dass sie sich im Verlauf jeweils einer Projektwoche eigenständig im Ruhrgebiet realisieren lassen.

Stellt die Ruhrtriennale Equipment?
Die TeilnehmerInnen müssen über eigenes Equipment (Kamera, Licht, Stativ, Laptop etc.) verfügen und dieses mitbringen.

Wie wird die Campustriennale Exhibition konkret ablaufen?
Nach dem Anreisetag und einem darauf folgenden gemeinsamen Erkundungstag im Ruhrgebiet beginnt am dritten Tag die Campustriennale Exhibition mit dem Meisterkurs von Daniel Josefsohn. Innerhalb von sieben Tagen werden die TeilnehmerInnen im Team gemeinsam ihre Konzepte erörtern, diese selbstständig realisieren, die Ergebnisse wiederum diskutieren sowie weitere Ideen entwickeln und diese umsetzen. Am letzten Kurstag werden die Ergebnisse präsentiert, diskutiert sowie die Fotografien für die Publikation ausgewählt. Nach einem freien Tag beginnt die einwöchige Arbeitsphase mit Julian Röder nach dem gleichen Prinzip. Sollten die TeilnehmerInnen nicht mit einem eigenen Auto anreisen, erstattet ihnen die Ruhrtriennale eine Zeitfahrkarte des öffentlichen Personennahverkehrs für das Ruhrgebiet. – Im Rahmen der Eröffnung der Ruhrtriennale am 12./13. August 2016 werden auch die Fotoreihen der Campustriennale Exhibition erstmals öffentlich präsentiert. Hierzu sind die TeilnehmerInnen auf Kosten der Ruhrtriennale herzlich eingeladen (siehe Ausschreibungstext).

Wann erfahre ich, ob ich teilnehmen darf?
Die Auswahl der vier FotografInnen wird voraussichtlich Mitte März 2016 bekannt gegeben.

 

Die Dozenten:

Daniel Josefsohn (Jahrgang 1961) ist einer der wichtigsten zeitgenössischen deutschen Fotografen. Seine Fotografien entziehen sich gängigen Sehgewohnheiten und be­wegen sich scheinbar schwerelos zwischen Kunst und Kommerz. Nach der legendären „Miststück“-Kampagne für den Musiksender MTV in den 1990er-Jahren ar­beitete Josefsohn für zahlreiche Magazine und prägte lange Zeit das Außenbild der Volksbühne Berlin. Mit seinen Werken tariert er die Gratwanderung zwischen Provokation und Humor, zwischen ironischer Setzung und politischer Anstiftung jedes Mal neu aus, um unbequem zu sein und genau dafür geliebt zu werden. Beispielhaft hierfür ist seine inszenierte Bildserie mit Stormtrooper-Helm auf dem Platz des Himmlischen Friedens, auf dem Brandenburger Tor oder vor der Klagemauer. Nicht selten thematisiert Josefsohn seine israelische Nationalität und den Nahost-Konflikt, etwa in der Bildreihe „Jewing Gun“. Nach einem Schlaganfall im Jahr 2012 dokumentierte er in der Fotokolumne des „ZEITmaga­zins“ ein Jahr lang gemeinsam mit Karin Müller das Vorher und Nachher seines Lebens und Arbeitens; die Serie wurde mit dem deutschen LeadAward für die beste Reportagefotografie ausgezeichnet und erschien unter dem Titel „Fuck Yes“ als Sammelband. Der 2014 veröffentlichte Bildband „OK DJ“ gibt einen Überblick über sein bisheriges Schaffen.
(www.danieljosefsohn.com)

Julian Röder (Jahrgang 1981) zählt zu den wichtigsten konzeptionell arbeitenden Dokumentarfotografen Deutschlands. International bekannt wurde er mit seiner Serie „The Summits“ (2001 – 2008) über Proteste während diverser G8-Gipfel. Zusammenhängen von Macht und Ökonomie gilt sein Hauptaugenmerk, wobei seine fotografischen Arbeiten stets zwischen Dokument und Inszenierung changieren. Sie beeindrucken durch eine klare Sprache, die mitunter an klassische Schlachtengemälde oder ästhetisieren­de Werbefotos erinnert, um sie der all­täglichen Bilderflut zu entheben und den Betrachter zum Hinsehen zu bewegen. Auch für seine Fotoserie „Mission and Task“ (2012/2013) zum Thema Außengrenze Eu­ropa fand er Bilder, die unser europäisches Selbst­verständnis infrage stellen. Zurzeit sind Werke von ihm im Kunstverein Ulm in der Ausstellung „Insel“ zu sehen (bis 04.04.2016). Das 2014 erschienene Buch „World Wide Order“ dokumentiert seine bis dahin entstandenen Arbeiten. Exklusiv für die Ruhrtriennale ist 2015 eine Serie mit Fotografien der postindustriellen Spielstätten des Festivals entstanden, die in den folgenden Jahren fortgesetzt wird.
(www.julianroeder.com)

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