Bildwelt zur Ruhrtriennale 2022

© Mischa Leinkauf / VG Bild-Kunst

Sieht man mehr, je näher man kommt? Oder wird immer weniger sichtbar? Was ich einst als Arbeiterregion, Kohle- und Stahlzentrum Deutschlands und Revier aus der Ferne einfach begriff, wird für mich, je näher ich rangehe, immer schwerer zu erkennen, die Ruhrstadt zerfällt in deutlich unterschiedliche Einzelteile, was hat schon Kettwig mit Bottrop zu tun? Je mehr Zeit ich in Bruckhausen und Langendreer verbringe, desto weniger kann ich es verbinden. Jahr für Jahr scheint das Ruhrgebiet komplexer, unübersichtlicher und ungreifbarer. Und doch gilt es immer wieder, diesen Versuch anzugehen. Eine Region zu begreifen, zu fragen und zu schauen, was Witten und Hochfeld verbindet. Wo Dramaturgen wie ich, aber auch Soziolog:innen und Raumplaner:innen straucheln, können vielleicht Künstler:innen helfen.

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© Mischa Leinkauf / VG Bild-Kunst
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© Mischa Leinkauf / VG Bild-Kunst
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© Mischa Leinkauf / VG Bild-Kunst

Mischa Leinkauf erprobte mit seinem ehemaligen Partner Matthias Wermke ihr im Berlin der Nachwendezeit erlerntes Verhalten im Grauzonenbereich zwischen legal und illegal in performativen Kletteraktionen an Häusern und Grenzen in Korea und Mexiko. Mit seiner Kunst versucht Leinkauf, neue Blickpunkte einzunehmen, neue Sichtachsen zu öffnen und somit Übersicht im Unübersichtlichen zu gewinnen – oder andersrum: in der vermeintlichen Übersichtlichkeit Unübersicht aufzuzeigen. Der Künstler plante mit seinem Team tagelang Orte, Genehmigungen und Möglichkeiten, wie unterschiedliche Höhepunkte des Ruhrgebiets zu erklimmen seien, um Kontraste zu erspähen, mit starkem Zusammenziehen durch Zoomen Altbekanntes anders zu verwinkeln. Mit der Technik des Verengens versucht die für die Ruhrtriennale 2022 entwickelte Bildstrecke zu zeigen, was nicht sichtbar ist, zu entdecken durch Verdecken. Weniger wird hier nicht mehr, sondern überhaupt erst etwas.

Konzept / Realisation / Aktion Mischa Leinkauf
Dramaturgie und Text Aljoscha Begrich
Luftaufnahmen / Postproduktion Johannes Förster
Precious Eye Pola Sieverding
Höhensicherung Holger Nawrocki, Markus Wich
Produktionsleitung Simon Mellnich

Dank an Thorsten Kosellek, Ulrike Franke & Michael Loeken, Aino & Rosi Laberenz, Yuki Jungesblut, Axel Braun, Scherin Rajakumaran, Christa Marek, Max Raschke (UpUp-Berlin), Benjamin Frick (Schwebewerk-Berlin), Klaus Mettig & Katharina Sieverding

Entstanden als Teil des Corporate Designs der Ruhrtriennale 2021–23:
Art Direction María José Aquilanti & Ann Christin Sievers